Blog 449 - 04.12.2016 - Kleiner Nähtisch und große Bühne

Seit mindestens vier Wochen probiere ich an den Nackeneingriffen herum. So langsam wird es. Ich kann in die fertigen Eingriffe schnell und fast problemlos hineingreifen und die Figur sieht trotz der innen angebrachten Verstärkungen ganz gut aus. Nur bewegen lässt sie sich nicht so locker wie ich es gerne hätte. Während ich mit einem Nacken-Eingriff-Prinzen vor dem Spiegel stehe und ausprobiere wie seine Bewegungen aussehen, denke ich noch ganz zufrieden: "Ja, geht", springe aber nicht vor Begeisterung in die Luft. Mmh, vielleicht doch den Halsansatz ein bisschen weiter machen? Plötzlich habe ich die Lösung: Ich lasse die Nackeneingriffe weg und baue, wie immer, Eingriffe von unten.

Das ist mal wieder typisch für mich. Wochenlange Arbeit werfe ich einfach über den Haufen, weil ich plötzlich finde, dass ein anderer Weg besser ist. Aber was nützt mir eine angenehmere Spielhöhe, wenn die Bewegungen der Puppen dann nicht lebendig aussehen, weil der Körper sich steif mit dem Kopf bewegt. Vielleicht finde ich irgendwann eine Lösung, aber nicht mehr für dieses Stück. Nur die Frösche werden ihre Nackeneingriffe behalten, allerdings entscheide ich da überraschend, dass ich sie deutlich kleiner haben möchte. Das bedeutet, dass ich sie komplett von vorne bauen muss, auch wenn einer so gut wie fertig ist und der zweite mitten in der Bauphase steckt.

Immer nähen geht auch nicht, darum verlasse ich zwischendurch meinen kleinen Arbeitstisch und wechsel zum aktiven Puppenspiel. Das findet in einer großen Halle statt. Einer riesengroßen Halle. Dort gibt es Proben für eine Fernseh-Show, bei der es zwischen vielen anderen Nummern auch eine mit Puppen geben wird. Nein, es sind nicht die "Puppenstars", die momentan ebenfalls aufgezeichnet werden, aber die Show ist der Grund, warum ich im Oktober bei der Anfrage der Puppenstars, ob ich eine Hintergrundpuppe spielen kann, wegen der doppelten Termine abgesagt habe.

Jetzt hocke ich in einer Gruppe von Puppenspielern hinter der Spielleiste auf der großen Bühne und wir proben die Nummer. Es gibt zuerst zwei Durchläufe für die Kameras, um zu sehen, ob Positionen geändert werden müssen und was im Bild sein muss, und danach zwei mit dem "Star" des Abends. Alles fluppt gut durch. Während ich hinter der Leiste knie, die Puppen über mir bewege und die strahlenden Schweinwerfer hoch oben an der Decke sehe, denke ich vergnügt: "Passt!" Es macht einfach locker Spaß.

Hach, ich freue mich sehr! Puppenspielen ist super - auch wenn hier von mir nichts Kompliziertes verlangt ist -, ich mag die Mitspieler, wir lachen viel und in der Probenatmosphäre einer Show fühle ich mich grundsätzlich sehr wohl. Vielleicht sollte ich diesen Auftritt in der großen Show vor massig viel Publikum und vielen Fernsehkameras als Übung für meine Froschstück-Premiere im nächsten Jahr sehen. Aber es ist natürlich nicht zu vergleichen. Wenn ich im nächsten Jahr mit meinen Puppen in einem kleinen Raum vor 50 Zuschauern auftrete, wird das unvergleichlich viel aufregender und ein wirkliches Riesending sein. Zumindest für mich. Aber vorher ein winziges Teilchen einer riesengroßen TV-Show zu sein und von einer Leiste verdeckt mit Puppen zu spielen, ist auch schon großartig. Auch ein bisschen schräg, was aber an der Show liegt. Und an mir. Also an der Kombination von beidem.

 
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