Blog 448 - 27.11.2016 - Einzelne Körperteile und knabberfreies Kino

Es ist schon wieder eine ruhige Woche, in der ich relativ viel bauen kann. Weil ich an mehreren Puppen parallel arbeite, ist immer noch keine fertig, was mich dann doch langsam nervt. Aber es ist eben wesentlich effektiver, wenn ich fast gleiche Arbeitsschritte sofort nacheinander mache und nicht bei jeder Figur von vorne anfange.

Bei drei der Puppen habe ich mich jetzt doch für einen Eingriff am Rücken entschieden, auch wenn ich mit dem Bau von Rückeneingriffen keinerlei Erfahrung, dafür aber hohe Ansprüche habe. Ich möchte locker und ohne zweite Hilfshand in die Puppe hinein- und hinausschlüpfen können und der Figurenkörper soll sich beim Spielen nicht bei jeder Kopfbewegung mitdrehen. Beides gleichzeitig klappt bisher nicht. Oder wenn, dann sieht die Puppe so schlecht gebaut aus, dass es nicht in Frage kommt. Vermutlich muss ich noch etwas herumprobieren und dann schulterzuckend Kompromisse machen.

Zwischendurch bohre, schmirgel und klebe ich Prinzen-, Frosch- und Prinzessinnenaugen. Sehr viele und noch ein paar als Ersatz. Danach habe ich das Gefühl, ich werde vom Tisch aus durchgehend beobachtet, egal, wo ich gerade stehe.

Zum Ausgleich für das viele über eine Näharbeit gebeugte Sitzen mache ich zwischendurch im Garten Äste klein oder besuche die coolen Walliser Schwarzhalsziegen, die nicht weit von mir wohnen. Dass ich an Wandertage in der Eifel oder lange Strandspaziergänge an der Nordsee denke, wundert mich gar nicht. Ich muss mich dringend mal wieder ausgiebig bewegen. Da in nächster Zeit aber einige andere Termine anliegen, wird sich die Bauzeit sowieso reduzieren.

In Köln finde ich mein Lieblingskino. Es ist knabberfrei! Hurra! Es gibt es kein Tacos-Geknacke, kein Popcorn-Kauen, stattdessen gepflegtes Zuhören in kuscheliger Atmosphäre, auf Wunsch mit Fußhocker, Wein und Antipasti. In der kaugeräuschfreien Umgebung, mitten in Bücherwänden, fühle ich mich extrem wohl. Seit vielen Jahren der erste Kinobesuch, den ich richtig genieße. Hach, genau so einen Raum möchte ich auch haben. Zum Film gucken, zum Lesen und fürs Puppenspielen.

Zu sehen gibt es "Florence Foster Jenkins". Deren schrägen Gesang kenne ich schon seit Schulzeiten und kann mich immer wieder darüber amüsieren. Meryl Streep spielt sie wunderbar verletzlich. Allerdings habe ich noch niemals einen Film mit so vielen auffälligen Schnittfehlern gesehen. Halbtotale: Mrs. Jenkins guckt nach rechts, Schnitt, Mrs. Jenkins guckt in der Nahaufnahme nach unten. Dass Meryl Streep deutlich weniger falsch als das Original singt, zeigt nur, wie schwer es ist, so penetrant neben den Tönen zu bleiben. Ein sehr schöner, warmherziger Film in einem wunderschönen Kinoraum.

 
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