Blog 445 - 06.11.2016 - Prinzenvarianten, Friedemann Weise und viel Gefühl

In der letzten Woche denke ich noch, dass ich vier Prinzenvarianten in meinem Stück brauche und schnitze vier gleiche Köpfe. Wenig später skizziere ich endlich mal alle benötigten Figuren, um beim Bauen den Überblick zu behalten und erkenne, dass ich gar nicht vier Prinzen brauche. Ich brauche fünf! Verdutzt zähle ich zweimal nach, aber es stimmt. Gut, dass es mir noch rechtzeitig vor der Premiere aufgefallen ist!

Sofort baue ich noch den fünften Prinzenkopf hinterher. Inzwischen verteilen sich die winzigen Schaumstoffschnipsel in der ganzen Wohnung, auch wenn ich ihnen sage, dass sie das Arbeitszimmer nicht verlassen sollen. Sie hängen sich an die Kleidung und nutzen jeden Windstoß. Sogar im Badezimmer finde ich sie. Ich schließe die Tür, und im Luftzug kommen zwei aus der Ecke und lachen: "Wir sind schon da!" Besucher könnten denken, dass mein Hund in einem wilden Spielanfall alle Sofakissen in winzige Stücke zerrissen hat. Ich habe aber keinen Hund. Meine Erklärung, dass ich mir gerade fünf Prinzen baue, macht es vermutlich nicht besser. 

Im Kölner Senftöpfchen hat Friedemann Weise Premiere mit seinem neuen Programm "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten". Sein Humor ist ebenfalls ziemlich schräg, aber ich mag ihn sehr und kann mich über Sätze wie: "Fisch bleibt länger frisch, wenn man ihn später angelt" oder "Neun von zehn Leuten, von denen man einen Gebrauchtwagen kaufen würde, verkaufen gar keinen" weglachen. Es heißt, dass man intelligent sein muss, um seinen Humor zu verstehen und zu lieben, was ich natürlich nur bestätigen kann. So häufig wie ich an diesem Abend lache, muss ich sogar ganz schön intelligent sein.

In Menden im Sauerland, wo ich sonst meistens hinfahre, um mit Bodo Schulte in seiner Werkstatt zu bauen, findet diesmal im Theater Scaramouche ein Konzertabend statt. Unter dem Titel "All you can sing" hat die "Katastrophen-Kultur" einen bunten musikalischen Mix zusammengestellt. Der reicht von "originell" bis "wow!", je nachdem wer gerade singt. Neben intelligent-witzigen Moderationen von Peter Neuhaus, die ich mit blitzenden Augen genieße, gibt es viel Gefühl, große Begeisterung, überraschende musikalische Neuinterpretationen, berührende Lieder und ein sehr langsam sinkendes Mikrofon, das vergnügtes Gelächter auslöst.

Auf der Bühne dabei ist auch Bodo, der nicht nur bauen, spielen und inszenieren kann, sondern auch singen und Banjo spielen. Das hab ich zwar auch vorher schon gewusst, es ist aber trotzdem schön, ihn mal auf der Bühne zu erleben. Der Abend macht viel Spaß, was auch an der privaten, liebevollen Atmosphäre liegt, denn die meisten Besucher kennen viele der Darsteller aus dem Alltag, wo sie normalerweise nicht singen.

Am nächsten Abend habe ich Abitreffen, bei dem ich mich immer wunder, wie vertraut viele der früheren Mitschüler bleiben. Jedesmal sind wir ein paar Jahre älter geworden, und trotzdem geht es sofort dort weiter, wo wir in der Schulzeit aufgehört haben. Es ist schön, so viele Leute zu sehen, die mal meine Wegbegleiter waren und zu merken, dass die innere Verbindung mit manchen nie abreisst. Was für ein schöner Abend!

Es ist viel los in dieser Woche, aber zwischendurch streiche ich tatsächlich mal eben das Treppengeländer, was statt der eingeplanten zwei Stunden mehr als vier dauert. Egal. Erledigt.


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