Blog 440 - 02.10.2016 - Umzug und Puppenspiel-Ansprüche

So ganz langsam schleicht sich das normale Leben wieder in die Umzugsaktivitäten. Die letzten Kisten stapeln sich im Wohnzimmer, die letzte Besorgungs-Liste liegt auf dem Tisch und es geht zum letzten Mal nach Trier, wo die schon länger leer geräumte und renovierte Wohnung an die nette Nachmieterin übergeben wird.

Dass mein normales Leben zurückkehrt (soweit das bei mir als normal bezeichnet werden kann), merke ich auch daran, dass ich in dieser Woche sogar mal wieder im Garten bin. Nicht lange, aber immerhin. Den Rasen müsste ich dringend mähen, aber die Wespen aus dem Schuppen schwirren immer noch geschäftig hin und her und haben außerdem eine ziemlich große Wespen-Wohnkuppel gebaut. Da geh ich doch nicht in den Schuppen, um einen Rasenmäher rauszuwuchten!

Wenn ich vorbei laufe, knallen oft einzelne Wespen mitten im Flug gegen mich. Anscheinend fliegen sie mit geschlossenen Augen und rechnen nicht damit, dass plötzlich ein großes Hindernis ihre Einflugschneise quert. Manchmal habe ich das Gefühl, sie surren erschrocken ein kurzes "Entschuldigung!", ehe sie sich berappeln und mit Schwung in die geplante Richtung weiterfliegen. Kann aber auch sein, dass ich das bin, die unterwürfig und entschuldigend murmelt. Ich möchte gar nicht erst, dass sie sich als Gruppe über mich aufregen und aus ihrem Gebiet entfernen wollen. 

An einem Abend findet der "Kölner Treff" mit Bettina Böttinger statt und ich bin als Zuschauerin im WDR-Fernsehstudio dabei. Es ist interessant und kurzweilig und ich bin näher dran als sonst vor dem Fernseher. Und trotzdem sehe ich weniger. Einige der Gäste sitzen mit dem Rücken zu mir, andere werden verdeckt oder sind nur knapp im Profil zu sehen. Manchmal steht auch eine Kamera genau vor mir, dann sehe ich gar nichts. Immerhin habe ich Steffen Henssler und Bettina Böttinger meist gut im Blick, was schon mal klasse ist. Ich beschließe, dass ich dann doch lieber mal als eingeladener Gast in die Gesprächsrunde kommen sollte, wenn ich wirklich nah dabei sein will.

Ehe es spontan dazu kommen kann, fahre ich schon wieder fünf Stunden nach Chemnitz. Diesmal mit den letzten Kartons und dem Sohn, und diesmal bleiben am Ende der Kurzreise sowohl die Kartons als auch der Sohn dort. Ich kürze noch schnell die Gardinen in der neuen Wohnung und denke dabei, dass nicht jeder seine Gardinen von einer Puppenbauerin, die sonst sprechende Frösche baut, mit der Hand umgenäht bekommt. Sensationell. Die Gardinen sehen nach dem Nähen aber weiterhin wie normale Gardinen aus und haben weder Augen, noch Klappmaul oder Arme.

Zum Abschluss der Woche gucke ich mir ein professionelles Puppentheater-Stück an, das mir das gute Gefühl gibt, dass ich das besser machen kann. Sowohl spielerisch als auch in der Inszenierung. Es ist das Abschlussstück eines Ernst-Busch-Absolventen, der Puppenspiel studiert und das Stück mit einer Regisseurin erarbeitet hat, und ich bin mir sicher, dass ich damit bei meinem Lehrer Bodo nicht durchkäme. Zu Recht. Wie cool, dass ich an mich selber schon so hohe Ansprüche stelle, dass mir das nicht reichen würde. Ob ich tatsächlich besser bin oder noch ganz kleinlaut werde, wird sich erst zeigen.

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