Blog 439 - 25.09.2016 - Fünf Länder, Grebe, Rether und Weihnachten

In fünf Stunden durch fünf Länder. Wo andere teure Weltreisen buchen, fahre ich von Köln nach Chemnitz und komme dabei durch Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und Sachsen. Die Landschaft ändert sich nur wenig, die Sprache deutlich. In Chemnitz wird weiter die Wohnung für den Sohn eingerichtet, und wieder heißt es drei Tage lang Kisten schleppen, Ikeapakete wuchten, schrauben, rücken, einräumen.

Von einer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung mit eingebauter Singleküche und riesigem Wandschrank umzuziehen in eine komplett leere Zwei-Zimmer-Wohnung bedeutet, dass doch einiges an Möbeln gebraucht wird. Und an Rollos und Gardinen und Möbelknöpfen und Haken und Zeugs. Am Ende der drei Tage kenne ich mehrere Baumärkte, Möbelgeschäfte und Secondhand-Läden in Chemnitz recht gut, habe aber sonst nichts von der Umgebung gesehen. Dafür ist die Wohnung jetzt einzugsbereit.

Auf der Fünf-Länder-in-fünf-Stunden-Rückfahrt lasse ich Rheinland-Pfalz aus und fahre stattdessen die Route durch das Sauerland. Geht auch. Das Sauerland ist ja schon vom Namen her ein eigenes Land. Als ich zuhause ankomme, denke ich, dass ich jetzt mal einen ruhigen Kurzurlaub brauchen könnte. Am liebsten am Meer. Stattdessen fahre ich am nächsten Tag schon wieder fast 200 Kilometer nach Mainz, wo es Aufzeichnungen von Rainald Grebe und Hagen Rether für das 3sat Festival gibt. Ich fahre wegen Rainald hin, aber die zweite Aufzeichnung des Abends mit Hagen Rether passt auch.

Die zwei Stunden Fahrt nach Mainz kommen mir wie ein Klacks vor. Und obwohl ich seit Tagen wirklich viel arbeite, wenig schlafe und ständig beschäftigt bin, entscheide ich mich beim Warten auf den Einlass nicht für ein gemütliches Rumsitzen mit Kaffee, sondern hole doch tatsächlich meinen Notizblock heraus und schreibe an einer kleinen Geschichte. Die kommt auf die Weihnachtskarte von wünsch-dir-was, einem Verein, der kranken Kindern Wünsche erfüllt. Meine Illustration und das Gedicht vom letzten Jahr sind so gut angekommen, dass sie mich für dieses Jahr wieder gefragt haben. Sehr gerührt hat mich, als mir erzählt wurde, dass viele Kinder, die an den Weihnachtstagen im Krankenhaus lagen, immer wieder die bunte Illustration angesehen und sogar das Gedicht auswendig gelernt haben. Wie schön!

Die neue Weihnachtskarte mache ich gerne, auch wenn ich momentan so gar nicht weihnachtlich eingestellt bin. Das Problem ist dabei nur, dass Text und Bilder auf eine Klappkarte passen müssen und es darum nicht lang werden darf. Während ich schreibe, muss ich lächeln, denn auch mein Froschbuch habe ich - zumindest als erste Version - während der Wartezeit vor einem Rainald-Grebe-Konzert geschrieben. Sollte ich mal eine Schreibblockade haben, werde ich viele Konzerte von Rainald besuchen müssen, um in den Zeiten VOR der Vorstellung die Ideen fließen zu lassen. Da wäre es ja fast schon schön, mal eine Blockade zu haben!

Noch bevor der Einlass beginnt, ist eine minikleine, runde Geschichte mit einigen Skizzen fertig. Cool! Schon alleine dafür hat es sich gelohnt, nach Mainz zu fahren. Aber auch für den Rest. Bei Hagen Rether lache ich immer mal wieder vergnügt auf, und sofort bleibt mir das Lachen im Hals stecken. Er ist großartig! Mir fällt ein, dass ich meinen Bericht über eine Rether-Vorstellung von 2007 noch nicht überarbeitet und auf die aktuelle Homepage gestellt habe. Ich mach mir innerlich eine Notiz. "Rether-Bericht!" und hoffe, dass ich sie nicht übersehe, was bei inneren Notizen schnell passieren kann.

Und dann tritt Rainald Grebe auf, bringt überwiegend Sachen, die ich schon kenne, und ich freue mich riesig und grinse die ganze Stunde selig vor mich hin. Er beginnt gleich mit dem Robinson-Lied aus dem alten Robinson-Programm, das ich immer noch sehr liebe. Ich weiß auch nicht, warum mich Rainalds Stimme und viele Texte so berühren, aber das taten sie von der ersten Vorstellung an. Es trifft mich und ich lasse mich mitnehmen. Seit mehr als einem Monat habe ich Renovier- und Umzugsarbeiten, zwischendurch lange Abende und Nächte vor dem Computer, um die alten Wise Guys Seiten zu bearbeiten, es gibt viele, oft sehr lange Autofahrten, anstrengende Schlepperei, mein Frosch-Puppenstück sitzt ungeduldig in den Startlöchern, ich schlafe zu wenig, weil mein Energie-Level so hoch gefahren ist - und dann sitze ich bei Rainald Grebe und alles ist weg und ich bin lächelnd tiefenentspannt.

Wobei ich sowieso feststelle, dass ich zwar gerade total viel zu tun habe und ständig hochdrehe, aber nicht gestresst bin. Die Laune ist gut, die Energie ist da, und außerdem weiß ich, dass es im Oktober wieder deutlich geruhsamer werden wird. Vermutlich bin ich jetzt nur so hyperaktiv, damit ich alles schnell erledige und dann endlich meine Puppen bauen und mit ihnen ein Theaterstück spielen kann. Ich freue mich so sehr darauf. Oder, wie Rainald Grebe mal sagte: "Es brennt." Tut es.

Den Rether-Bericht von 2007 mache ich spät abends auch noch schnell fertig. Zu lesen jetzt auf reihedrei.de. Außer dass Hagen Rether in den letzten neun Jahren grauere Haare bekommen hat, war er damals so aktuell, treffend und klasse wie heute.

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