Blog 430 - 24.07.2015 - Profi-Archiv, Dream-Team und Open-Air

Es ist immer noch viel Kram zu erledigen und ich verschiebe den weiteren Bau der Puppen bis in den August. Das ist besser, als ständig seufzend zu denken, dass ich jetzt lieber weiterbauen würde. Zum Glück kann ich inzwischen schon viel auf der To-do-Liste abhaken. Außerdem laufen weiterhin die Video-Überspielungen und ich überarbeite möglichst jeden Tag zwei alte Wise Guys Konzertberichte, um auch da irgendwann mal durch zu sein. Wenn ich zusammenrechne, wie viel Zeit allein das in Anspruch nimmt, hätte ich die erste Puppe wohl schon halb geschafft.

Total klasse ist, dass ausgerechnet jetzt eine Videoaufnahme von Bodo Wartke mit den Wise Guys aus dem Jahr 2006 gebraucht wird. Ich habe die Aufnahmen des Konzertes frisch auf die Festplatten überspielt und kann sofort reagieren. Genau so muss ein professionelles Archiv aufgebaut sein! Dass ich nicht mehr wusste, dass ich das Lied sogar schon fertig geschnitten hatte und es in dieser Version zufällig am Ende einer Konzertaufnahme finde, zeigt, dass die Archiv-Beschriftung noch Lücken hat. Mein Erinnerungsvermögen sowieso.

Den kompletten Mittwoch verbringe ich in Bochum, wo ich "meine" beiden Schweizerinnen besuche, die dort am Figurentheater-Kolleg einen Kurs besuchen. Wir treffen uns schon zum Frühstück. Zu dritt sind wir das Dream-Team. Vielleicht denkt das bei unserem Gelächter und der permanent guten Laune nicht jeder und bezeichnet uns insgeheim eher als Albtraum-Trio, aber wir haben wirklich immer großen Spaß zusammen und genießen die Zeit miteinander. Egal, wie lange wir uns nicht gesehen haben, kaum sitzen wir zusammen, erzählen und lachen wir. Außerdem stellen wir fest, dass wir Kurse meistens gut finden, aber noch viel besser, wenn wir alle drei dabei sind.

Der Einzige, der uns fehlt, ist Lieblingsdozent Bodo Schulte, der in dieser Woche woanders einen Kurs gibt. Aber vielleicht denkt der gerade, dass es ohne uns viel schöner und vor allem deutlich ruhiger ist. Aber nein, das denkt er nicht. Außerdem hilft es ihm sowieso nichts. Wenn wir finden, dass Kurse am allerallerschönsten sind, wenn wir alle drei dabei sind und der Dozent Bodo ist, dann muss er da durch.

Während die beiden Schweizerinnen einige Stunden in ihrem Kurs an Figuren nähen, habe ich Zeit, um Zubehör und Stoff für meine Froschfiguren zu kaufen und danach lesend im Park zu sitzen. Wiese, Sonne, Buch. Hach, Ferien! Am Abend fahren wir zu dritt zu einem weiteren Stoffgeschäft, wo ich noch mehr Stoff kaufe. Vermutlich kann ich mit dem vielen Material jetzt nicht nur unglaubliche Mengen von Figuren für das Froschstück bauen, sondern auch die Puppen für die nächsten drei Stücke herstellen. Dass ich in meinem Arbeitszimmer keinen Platz für so viel Stoff habe, ist ungünstig, aber da ich auch keinen Platz für viele fertige Puppen habe, ist es dann auch egal.

Am nächsten Abend findet in meinem Wohnort in der Reihe „FilmSchauPlätze Nordrhein-Westfalen“ ein Open-Air-Kinoabend statt. Der relativ neu angelegte "Wirtschaftspark Erftstadt", in dem es noch nicht viele Firmen, dafür aber viel freie Fläche gibt, erweist sich als passender Ort. Das Wetter ist sommerlich, eine Leinwand und eine Bühne sind aufgebaut, und die Zuschauer kommen gut gelaunt mit Klappstühlen und Decken an.

Im Vorprogramm - und die Bezeichnung "Vorprogramm" ist fast peinlich und stimmt nur insoweit, dass es VOR dem Film stattfindet -, spielt die Joe Cocker Tribute Band von Martin Ernst. Alles hochprofessionelle Musiker der "RTL Samstag Nacht AllStars Band", die ein so großartiges Konzert auf der Wiese geben, dass es wirkt, als wäre versehentlich eine Fünf-Sterne-Band zum heimischen Grillfest gebucht. Dass die Band einfach so im Vorprogramm spielt, liegt daran, dass Martin Ernst in Erftstadt lebt und keinen persönlichen Einsatz scheut, um kulturelle Sachen zu unterstützen. 

Sogar die Verantwortliche der Kino-Reihe, die bei jeder FilmSchauPlatz-Veranstaltung in NRW dabei ist, sagt am Ende der Zugaben, dass sie nie zuvor im Vorprogramm des Kino-Abends eine so gute Band gehört hat. Normalerweise würde sie das musikalische Vorprogramm abbrechen, sobald es Zeit für den Film wäre, erklärt sie und hängt begeistert dran: "Aber wenn die jetzt noch zwei Stunden weiter spielen würden, würden wir alle auf den Film pfeifen." Das gibt zustimmenden Applaus.

Inzwischen ist es dunkel, und nach einem kurzen Vorfilm, der sehr klasse ist, startet die britische Komödie "Pride". Es geht um streikende Bergarbeiter in der Thatcher-Zeit und eine Lesben- und Schwulengruppe, die sie unterstützt. Erst denke ich, dass ich viel zu müde bin, um noch bis nach Mitternacht auf einer Decke sitzend einen Kinofilm auszuhalten, aber nachdem mich die Band so begeistert hat, bin ich plötzlich hellwach und freue mich über das Open-Air-Kino. Es ist eine laue Sommernacht, der Film ist gut, die Atmosphäre ist schön, kleine Motten leuchten wie Glühwürmchen auf, wenn sie in den Projektionsstrahl kommen, ringsherum nette Leute - es passt alles und ist total klasse. Eine prima Veranstaltung.

Am Ende der Woche packe ich schon wieder meine Baukiste. Diesmal geht es für einige Tage zu einem Figurenbau-Kurs nach Niedersachsen. Ohne Schweizerinnen und ohne Bodo. Dafür mit viel Landschaft und mit Moor. Ich bin gespannt.

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