Blog 312 - 20.04.2014 - Nettes Großmaul und schwarzer Humor

Der Löwe muss zum Kieferchirurgen, der in diesem Fall ich bin. Es ist immer wieder erstaunlich, was für Berufe ich nebenbei ausübe. Kieferchirurgin - danach sah es während der Schulzeit nicht für mich aus. Obwohl der Unterkiefer schon neu angenäht wurde, ist es immer noch anstrengend, das Maul weit zu öffnen. Das könnte ich auf den Löwen und seine Anstellerei beim Brüllen schieben, aber es ist leider ein Baufehler von mir. Ich habe einen Stoff zu knapp eingesetzt und der spannt jetzt beim Öffnen des Maules. Darum muss - Achtung, nichts für empfindliche Leute! - der komplette Mundinnenraum des Löwen inklusive Gaumen und Zunge entfernt und ein neuer implantiert werden. Zum Glück geht das mit Zutaten aus meiner Puppenbau-Abteilung und ich muss keinen Spenderlöwen finden.

Es ist trotzdem eine kniffelige OP mit Schere, Kleber und einigen Flüchen der Chirurgin, weil der Kleber Fäden zieht, alles an allen Ecken gleichzeitig befestigt werden muss, nirgendwo ein Kleberfleck entstehen darf, der Kleber aber schon nach wenigen Sekunden alle Fingerspitzen bedeckt. Erstaunlicherweise klappt es und mein netter Löwe kann jetzt bei Bedarf zum Großmaul werden. Demnächst muss er aber noch zum Zahnarzt. Ich frage mich, wie lange ich wohl noch brauche, bis er endlich fertig ist. Das zieht sich ja schon monatelang hin. In der Zeit hätte ich vermutlich drei andere Puppen komplett fertig bauen können.

Nachdem ich zwei Wochen lang durch die Erkältung ruhig gestellt war, genieße ich meinen Garten jetzt umso mehr. Die dicken Bohnen wachsen, im Mini-Gemüsegarten grünt es und ringsherum wächst alles zu. Ich glaube, ich wäre nur halb so kreativ, wenn ich nicht diesen zugewachsenen und unperfekten Privat-Park hätte. Da kann ich buddeln, planen, Äste schleppen oder sitzen und den Pflanzen beim Wachsen zusehen. Auf jeden Fall total abschalten, was vereinfacht wird, weil ich weder Handy, noch Telefon, noch Hausklingel höre.

Für das im September geplante Live-Hörspiel - das wir anstelle der aus Personalgründen gestoppten Komödie aufführen wollen -, möchte ich möglichst schnell ein geeignetes Stück finden. Hörspiele können für die Zuhörer sehr ermüdend sein und nicht jedes Theaterstück eignet sich für eine Hörversion. Um herauszufinden, was ich überhaupt haben möchte, - ernsthaft, lustig, spannend - höre ich in verschiedene Live-Hörspiele rein, lausche einem Durbridge-Radio-Krimi aus den 50er Jahren und lese Inhaltsangaben von Krimi-Komödien fürs Theater. Parallel dazu habe ich schon die ersten Ideen für ein selbstgeschriebenes Krimi-Hörspiel, das sehr schräg und witzig werden könnte.

Weil mir eine der Theater- Krimikomödien in der Kurzbeschreibung des Verlages gut gefällt, bestelle ich sie als Ansichtsexemplar. Mit einer Tasse Tee setze ich mich hin, um sie schnell mal quer zu lesen. Mir ist schon vorher klar, dass sie nicht passen wird und dass die als witzig beschriebenen Szenen wahrscheinlich so albern und flach sind, dass sie mich nerven, aber vielleicht gibt sie Anregungen oder zeigt, was ich bei einem lustigen Krimi unbedingt vermeiden sollte. Ich lerne von anderen Stücken und Produktionen oft, wie ich es NICHT machen möchte.Überraschenderweise bin ich beim Lesen von der ersten Seite an völlig gebannt, lache immer wieder los, weil das Stück total schrägen, schwarzen Humor und erstaunlich viele Opfer hat, und lese es in einem Rutsch bis zum Ende durch. Das ist es! Unser Hörspiel! In zwei Wochen treffen wir uns zur Besprechung und da werde ich es vorstellen. Es sollte mich wundern, wenn die Mitspieler darauf keine Lust hätten.