Blog 426 - 26.06.2016 - Spielbuch, Spielhand und nasser Affe

In dieser Woche habe ich keine Termine und nehme mir vor, endlich mal konzentriert am Spielbuch für meine Froschgeschichte zu arbeiten. Viele Teilstücke habe ich in letzter Zeit vorwiegend bei Wartezeiten in Cafés geschrieben, jetzt möchte ich alles zusammenfügen und gucken, was noch fehlt, wo ich ergänzen und vielleicht komplett ändern muss. Außerdem stehen noch Anmerkungen und Ideen in meinem Notizbuch, die ich alle durchgehen möchte. Eine Woche Zeit erscheint mir dafür ganz gut.

Manchmal kommt genau dann, wenn ich Zeit habe und mit einem Projekt anfangen möchte, plötzlich ein dringender Termin rein. Oder ich sitze davor, könnte loslegen, trödel aber rum. Dann mache ich mir gerne einen Tee nach dem anderen und finde auf einmal, dass ich dringend Rasen mähen oder Altglas wegbringen muss.

Diesmal koche ich mir einen Tee, breite meine Unterlagen aus, arbeite los und bin nach wenigen Stunden fertig. Die vielen Einzelszenen lassen sich fast nahtlos aneinander fügen, was natürlich daran liegt, dass mir die Geschichte früh in ihrer Aufteilung klar war und ich an einzelnen Szenen schreiben konnte, ohne immer das Ganze im Blick haben zu müssen. Meine Anmerkungen und Ideen sind fast alle schon im Text berücksichtigt, und die wenigen Szenen, die noch fehlen, kann ich zügig runterschreiben. Anstatt eine Woche lang am Text zu sitzen, bin ich am ersten Tag fertig. Ähm, ja. War wohl doch schon besser vorbereitet und umfassender geschrieben, als ich dachte. Cool!

Am nächsten Tag gehe ich alles nochmal durch und ändere hier und da eine Formulierung. Insgesamt kommt es mir aber flüssig und logisch vor. Mein Ziel ist es, ein Stück von 40 bis 45 Minuten zu spielen. Ich habe keine Ahnung, wie lange es in der jetzigen Fassung ist. Mit einer Stoppuhr auf dem Tisch lese ich laut, bewege dabei meine Arme so, als ob ich schon Figuren drauf hätte und passe mich möglichst dem späteren Spieltempo an. Kleine Umbaupausen und Musikeinspieler rechne ich nicht mit, da werden später noch fünf bis zehn Minuten dazu kommen. Als ich den letzten Satz gelesen habe, zeigt die Uhr 35 Minuten. Volltreffer. Ich bin selber erstaunt.

Natürlich werde ich noch Änderungen machen, spätestens, wenn ich beim Proben an spielerische Grenzen komme oder plötzlich neue Ideen habe, aber der Beginn meines ersten eigenen Puppenstücks läuft doch schon mal gut. Ich bin aber sicher, dass noch einige Hürden kommen werden.

Bevor ich mit dem Bau der Puppen anfange, will ich meine Übungs-Spielfigur fertig machen. Die Livehände, die sie haben soll, habe ich zwar mal gesehen, aber noch nie gemacht. Ganz so einfach, wie ich vorher dachte, ist es nicht. Das Problem sind nicht die Hände und Arme, sondern alles so zusammenzusetzen, dass es harmonisch aussieht und gut funktioniert. Mal ist der Oberarm zu dünn, mal ist der Unterarm nicht gut beweglich, mal ist es unten zu kurz und oben zu lang.

Ich nähe, trenne auf, klebe neue Teilstücke und nähere mich langsam dem gewünschten Ergebnis. Natürlich brauche ich aktuell gar keine Spielfigur mit Livehand, was meine Energie und Zeit, die ich in den Bau stecke, etwas überflüssig erscheinen lässt, aber ich sehe es eben als private Weiterbildung. Irgendwann wird es eine Notsituation geben, in der eine panische Stimme ruft: "Gibt es hier jemanden, der mit einer Livehand spielen kann?", und dann kann ich mich mit ruhiger Stimme melden und bin einsatzbereit. Oder ich erkenne die brenzlige Situation und dränge mich gleich selber durch die Massen mit dem berühmten Satz: "Lassen Sie mich durch, ich bin Livehand-Spielerin!"

Mein Affe aus dem Steinhaukurs vom letzten Mai hat ein Jahr lang sorgfältig in Folie verpackt unter dem Dach gesessen. Die Steinhauer beim Kurs sagten damals, dass der Stein imprägniert werden solle, ehe er im Freien aufgestellt wird, weil im Winter bei Frost Teile abplatzen könnten. Als ich es jetzt endlich mal in ein Steinhauer-Fachgeschäft schaffe, rät mir der Verkäufer von einer Imprägnierung dringend ab. Und das, wo er mir den Kanister einfach reichen und 40 Euro kassieren könnte. Ich wäge die sehr kompetent wirkenden Berufs-Steinhauer gegen den sehr kompetent wirkenden Verkäufer, der vermutlich selber als Künstler Steine behaut, gegeneinander ab, werfe die 40 Euro in die Waagschale und entscheide mich gegen das Imprägnieren.

Damit kommt der Affe endlich ins Freie und mitten ins neu angelegte Kräuterbeet. Gleich in der ersten Nacht regnet es und der seit einem Jahr penibel trocken gehaltene Affe - er hätte nur völlig durchgetrocknet imprägniert werden dürfen - saugt mit jeder Pore Wasser auf. Ich habe das Gefühl, es gefällt ihm. Und wenn ihm mal Teile abplatzen sollten - das ist das Leben.


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