Blog 425 - 19.06.2016 - Werkelzeit und Puppettrash

Vor meinem Hartschaumkurs habe ich mit dem Bau einer Übungspuppe mit Livehänden begonnen. Als sie schon halb fertig genäht war, dachte ich plötzlich, dass mir der teure Plüsch dafür doch zu schade ist und trennte ihn kurzentschlossen wieder ab. Jetzt beginne ich das Beziehen mit preiswertem Teddystoff von vorne. Ich sitze in meinem Arbeitszimmer unter dem Dach, der Regen nieselt aufs Fenster, das Radio läuft, die Katze macht es sich gemütlich und ich finde, es gibt kaum etwas Schöneres, als so entspannt und zeitlos vor sich hin zu werkeln. Werkstattzeit.

In dieser Woche kommt außerdem eine Rolle Schaumstoff frisch mit der Post, ich kaufe Styrofoam zum Schnitzen von Puppenköpfen und rette einige schöne Bögen Packpapier vor der Altpapiertonne und erkläre sie zu Kaschiermaterial. Das Puppen-Bauer-Herz lacht.

Dass im Kölner Künstler Theater der Puppet-Slam stattfindet, lässt auch das Puppen-Spieler-Herz lachen. Allerdings nur kurz. Eigentlich nur so lange, wie ich vorher wartend im Eingangsbereich sitze, Notizen zu meinem Froschstück notiere und mich auf die Vorstellung freue.

Den Puppet-Slam finde ich enttäuschend. Einige Nummern haben nur am Rande oder gar nichts mit Puppenspielen zu tun, und sechs Minuten lang eine Performance zu tanzen, ohne roten Faden zu improvisieren oder auch gar nichts zu können und den Applaus für zur Schau gestellte Talentfreiheit zu bekommen, was ja gerne Trash genannt wird, aber Müll bleibt, ist nicht das, was ich erwarte. Und wenn die Vorgabe für die Teilnehmer, für die eventuelle Finalrunde eine zweite Nummer zu haben, so völlig ignoriert wird, macht mich das auch nicht glücklicher. Dass dann auch noch genau die Teilnehmerin gewinnt, die mit der wenigsten Anstrengung die geringste Leistung zeigt, nur weil ihre trashliebenden Fans sie für ihre rotzige Haltung bejubeln, macht es nicht besser. Das Theater ist klasse, die Idee des Puppet-Slam ist toll, und ich hoffe sehr, dass sich zum nächsten Puppet-Slam mehr richtige Puppenspieler melden, die zeigen, wie toll gut gespielte Nummern sind.

Während ich vor dem Puppet-Slam noch dachte, dass meine Werkschau-Nummer aus Bochum noch viel zu fehlerhaft und peinlich unprofessionell dafür wäre, denke ich während der Vorstellung, dass sie eine der durchdachtesten und puppenspielerisch interessanten Nummern gewesen wäre. Zum Glück folgere ich daraus nicht, dass ich dann unbesorgt mitmachen kann, sondern zögere jetzt erst recht. Bloß nicht denken, dass die unterste Stufe reicht. Tut sie nämlich nicht.

 

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