Blog 423 - 05.06.2016 - Inszenierungsgerüst, Zeitreisen und Berliner Stadtmusikanten

Obwohl ich immer nur zwischendurch mal ein wenig am Puppenstück arbeite, ist der komplette Ablauf inzwischen in Akte und Szenen unterteilt. Einige Szenen sind schon geschrieben, die meisten tragen noch notizähnliche Überschriften, damit ich weiß, was darin passieren soll. Normalerweise schreibe ich einfach drauflos und gucke, wo es mich hinspült, aber diesmal habe ich ein fertiges Kinderbuch als Vorlage, so dass der Weg und das Ziel ziemlich klar sind. 

Mit der Inszenierungstheorie im Rücken gehe ich auffällig locker und entspannt an mein Stück. Geschichten und Theaterstücke zu schreiben, ist mir ja nicht neu, aber jetzt bin ich überzeugt, auch noch eine sichere Basis zu haben. Dieses Vertrauen, das ich in meine frischen Kenntnisse habe, erstaunt mich selber. Aber im Inszenierungskurs funktionierte es gut, und ich spüre gar keine Unsicherheit. Die viele Theorie schränkt mich bei der Arbeit auch nicht ein, im Gegenteil. Sie ist ein guter Konstruktionsrahmen, der jetzt aber noch Phantasie und originelle Ideen braucht. Nur mit Theorie ist vermutlich noch kein lebendiges Stück geschrieben worden. Es liegt also an mir, ob was draus wird. Mit dem Wissen des Inszenierungkurses im Hintergrund, macht es aber doppelt Spaß.

Auf dem Küchentisch laufen währenddessen weiterhin jeden Tag von morgens bis abends alte Videokassetten, um sie auf Festplatten zu sichern. Manchmal gucke ein paar Minuten auf den Monitor und lächel versunken. "Wise Guys, Konzert in Erfurt" - (Ich war mal mit den Wise Guys in Erfurt? Bei einer polizeilichen Befragung hätte ich das strikt abgestritten.) "Familienurlaub" - (Ach, was waren die Kinder da noch klein.) "Klaus Lage Konzert" - (Extremes rotes und blaues Licht und da habe ich ein Stativ im Theater vergessen.) "Wise Guys, Spülen" - (Video-Clip drehen in Däns Wohnung. Die Pflanze auf der Fensterbank hat nervige Ableger gemacht und als sie deswegen weg sollte, habe ich sie übernommen.) Es sind kleine Zeitreisen und beim kurzen Zusehen denke ich immer wieder freudig: "Ach ja!" Außer bei Erfurt, da denke ich: "Häh?" Und die Pflanze steht tatsächlich heute noch auf meiner Fensterbank und macht weiterhin nervige Ableger. 

Am Ende der Woche spielt das Berliner 'Theater Zitadelle' in Bonn. Nachdem ich mich bei den 'Puppenstars' in die Katze schockverliebt habe, und mir letztens schon das Solostück "Die gestiefelte Katze" so sehr gut gefallen hat, sehe ich auch bei den "Berliner Stadtmusikanten, Teil 1" mit großer Freude zu. Bei einem gesungenen Duett von Katze und Wolf schmelze ich fast weg. So schön lebendig und detailreich möchte ich bei meinem Stück auch spielen. Kann ich noch nicht wirklich, oder höchstens mal in einer kurzen Szene, aber da werde ich eben noch gewaltig üben müssen. Muss schon gut werden bis zur Premiere.

Hach, wie ich mich freue, dass ich an einem eigenen Puppenstück arbeiten kann! Jetzt die Wagners vom 'Theater Zitadelle' zu sehen, ist da sehr motivierend. Ich passe allerdings auf, dass ich möglichst keine ihrer Spielideen übernehme. Aus diesem Grund ist auch eine kleine Szene aus meinem Stück wieder rausgeflogen, weil sie Ähnlichkeit mit einer Szene aus dem Katzenstück hatte. Ein eigener Stil und eigene Ideen sind ganz wichtig, und wenn ich meine Notizen für das Stück ansehe, glaube ich, dass das klappen wird. Mir fällt so viel ein, da muss ich nicht woanders abgucken.

 

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