Blog 422 - 29.05.2016 - Veränderungen und die freie Auswahl

Die Woche startet total verregnet und ich freue mich genauso darüber wie mein Garten. Er bekommt nämlich endlich mal wieder genügend Wasser an die Füße, und ich sitze gemütlich drinnen, trinke Tee und schreibe an einem Bericht über das Wise Guys Konzert vom letzten Wochenende. Es ist einige Jahre her, seit ich den letzten Wise Guys Konzertbericht geschrieben habe, und ich fühle mich wie früher. In den letzten Jahren bin ich allerdings oft auf Veranstaltungen, ohne einen Bericht darüber zu schreiben. Manchmal habe ich zu wenig Zeit, manchmal möchte ich den Tag danach nicht vor dem Computer verbringen und manchmal habe ich keine Fotos machen können und dann wenig Lust auf einen Textbericht. Den aktuellen Wise Guys Bericht gibt es - wie immer - auf www.reihedrei.de zu lesen.

Dass die Wise Guys aufhören werden, kann ich schon während des Konzertes, aber auch beim anschließenden Berichtschreiben nicht aus meinem Bewusstsein verdrängen. Es bleibt ein leicht wehmütiges Gefühl, das ich sogar spüre, wenn ich lache. Dazu kommt, dass ich seit einer Woche täglich alte Videokassetten überspiele und dort gerade vorwiegend die Wise Guys Anfang der 2000er-Jahre dran sind. Ich sehe und höre sie beim damaligen Proben, bei Auftritten, beim Filmen von Einspielern, hinter der Bühne und bei langen Totalnächten. Immer wieder gucke ich liebevoll lächelnd hin. Volle Kanne Emotionen.

Ich mag das aber gerade, dass ich so voll getroffen werde. Es passt zu meiner Stimmung, die kreativ, weich und gelassen ist. Alles verändert sich und aus Veränderungen wächst Neues. Dass die Wise Guys noch eine Abschiedstour machen und ganz bewusst einen Schlusspunkt setzen, finde ich gut. Wenn es schon ein Ende geben muss, dann ein gefeiertes und umjubeltes.

Als es draußen weitgehend sommerlich wird, bin ich viel im Garten unterwegs. Hier harken, dort hacken, Blätterdächer wachsen lassen, Erbsen säen. Es ist wie Urlaub. Zwischendurch schreibe ich ein bisschen am Puppenstück und notiere spontane Ideen. Im Ablauf ist das Stück schon ziemlich klar, aber bei den Details hängt viel davon ab, mit welchen Puppen ich spiele. Passende Klappmaulpuppen habe ich ja schon, aber ich hätte inzwischen lieber welche mit einem Eingriff im Rücken, um sie in einer anderen Höhe spielen zu können. Bautechnisch muss ich darum noch einiges ausprobieren und weiß nicht mal, ob ich eine zufriedenstellende Lösung finde.

Auch die gesammelten Ideen und kurzen Szenen für das Stück sind einzeln gesehen schön, passen aber nicht alle zusammen. Da werde ich mich für einzelne Wege und Handlungsstränge entscheiden müssen und dafür auch tolle Einzelszenen wieder rauswerfen. Aber es ist spannend und schön, jetzt noch vor so vielen Entscheidungen zu stehen, die dem Stück alle eine andere Wendung geben können. Noch ist alles möglich und ich kann aus dem Material ein schönes, rundes Stück machen oder eine bunte Ansammlung von Szenen, die den Zuschauer unterhalten, die aber nicht ausreichen. Den Unterschied in der Theorie zu wissen und auch als Zuschauerin zu erkennen, heißt nicht, dass ich jetzt genau weiß, welche Szenen ich nehmen muss, um ein perfektes Stück zu bekommen. 

Und als wäre es nicht schon genug, dass ich das Stück schreiben und dann sorgfältig einüben muss, ich brauche neben den Puppen auch noch eine passende Spielbühne, Requisiten, Scheinwerfer und Lautsprecherboxen. Außerdem werde ich diverse Lichtwechsel und Toneinspieler haben - an einem Techniker am Mischpult komme ich kaum vorbei. Es gibt zwar Geräte mit Fußschalter-Bedienung, aber wenn ich beim Spielen schon so genau überlegen muss, auf welcher Hand welche Puppe gerade sitzt und wann ich was wo ablegen muss, um etwas anderes zu greifen, und soll dann außerdem noch wie an der Kirchenorgel mit den Füßen treten, schalten und rotieren - nee, das ist mir zu viel.

Weil ich gerade Zeit habe, wäre es eine gute Gelegenheit, an dem Rückeneingriff für die Klappmaulpuppen zu probieren. Stattdessen beginne ich mit dem Bau einer Übungspuppe mit Livehänden für das Überkopfspielen. Die brauche ich momentan gar nicht, aber ein inneres Gefühl sagt mir, dass ich das Spielen mit einer Livehand jetzt unbedingt üben möchte. Obwohl meine inneren Gefühle oft nur reden, ohne dass auch nur ein Funke echter Ahnung dahinter steckt, baue ich los. Schadet ja nicht.

Dumm ist nur, dass ich keine Lust habe, extra bis zu einem Stoffgeschäft zu fahren, um preiswerten Plüschstoff zu kaufen. Stattdessen vernähe ich einen schon vorhandenen, ziemlich teuren Plüsch. Und das bei einer Übungsfigur, die ich vermutlich nicht groß einsetzen werde. Ich rede mir ein, dass ich die Figur jederzeit wieder auseinander nehmen kann, wenn ich den Plüsch anderweitig verwenden will und mir der teure Stoff ja auch nichts bringt, wenn er in meiner Stoffkiste liegt. Naja. Überzeugt bin ich nicht.  

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