Blog 420 - 15.05.2016 - Puppen-Dreh und Horst Evers

Der Puppenspieler Martin Reinl kann beim Drehen eines kleinen Trailers helfende Hände mit etwas Puppenspielerfahrung brauchen. Es ist nichts Spektakuläres, hin und wieder müssen sich Statisten-Puppen im Bild ein wenig bewegen und lebendig wirken. Ich freue mich sehr, dabei zu sein, weil ich total Spaß an so was habe. Außerdem habe ich Martin vor einigen Jahren kennengelernt, als ich gefilmt habe und er Puppenspieler war, und ich finde es großartig, dass ich jetzt wegen der Puppen da bin.

In den letzten Jahren habe ich intensiv Puppen gebaut, die Grundlagen des Spielens mit Klappmaul- und Handpuppen gelernt, weiß einiges übers Inszenieren und bin gerade dabei, ein Solostück mit Puppen zu entwickeln. Da passt es doch, dass ich in Martins Werkstatt halb unter dem Tisch hänge und zwei Hamster auf den Händen habe. Unüblich für mich ist, dass ich dabei auf einen Monitor gucke, was ich zwar in der Theorie kenne, bisher aber nur mal kurz bei einem Spielkurs gemacht habe. Aber zum Glück müssen meine Puppen nicht um den Tisch rennen und dann punktgenau in die Kamera gucken. Vielleicht könnten sie es sogar, da würde ich mich aber nicht drauf verlassen.

"Monitor-Training" notiere ich im Kopf, das sollte ich mal richtig üben. Wer weiß, wann ich das mal brauchen kann. "Über-Kopf-Puppe mit Live-Spielhänden bauen" notiere ich ebenfalls, denn so eine habe ich noch nicht und die wollte ich mir sowieso mal bauen. "Tag auf 48 Stunden ausweiten oder Jahr um vier Monate verlängern" schreibe ich nicht dazu, obwohl das sehr sinnvoll wäre.

Obwohl ich noch keinen Puppentrailer gemacht habe, ist es tatsächlich so, dass ich mich mit Puppen und beim Arbeiten an einem Filmset in jeweils vertrauten Situationen befinde und mich darum rundum wohl fühle. Völlig neu ist nur, dass meine Puppen keine Sprechrollen haben, und da fühle ich mich tatsächlich etwas unterfordert. Aber es ist doch klasse, entspannt zu starten und langsam an neue Bereiche heranzugehen.

Weil die Puppenspieler Martin Reinl und Carsten Haffke und ihr Kameramann perfekt aufeinander eingespielt sind, laufen die Aufnahmen zügig durch. Weil sie schrägen Humor haben, ist es sehr lustig. Zusammen mit dem Tonmann und Christian, den ich von den Puppenstars kenne und der ebenfalls Statistenpuppen bewegt, macht es viel Spaß und wir arbeiten gezielt, aber entspannt. Prima. Mir gefällt der Tag sehr.

Vor fünf Jahren war ich bei Martin Reinl Statistin für den Pilotfilm "Ausgekuschelt - die Puppen-WG". Ich war so was wie "lebendiger Mensch-Bildhintergrund", habe aber sehr interessiert den Puppenspielern zugesehen. Dass damals beim Drehen Bodo Schulte als Puppenspieler dabei war und ich ihn gesehen habe, ohne zu ahnen, wer es ist und dass er mal so wichtig für mich und meine Puppenausbildung wird, ist einer der schönen Zufälle im Leben. Vielleicht gibt es auch keine Zufälle.

Am nächsten Abend sitze ich in der Kölner Comedia. "Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex" heißt das neue Programm von Horst Evers, und - wie immer - hat er Recht. Und - wie immer - lache ich sehr über seinen trockenen, schrägen Humor. "Geschenke des Schicksals sind nicht immer sorgfältig ausgesucht", lautet eine seiner Weisheiten, und auch da hat er völlig Recht. Ich finde ihn einfach klasse. Ihn und seinen Humor.

Am nächsten Tag tritt Horst Evers in der Eifel auf und ich fahre eine Stunde durch Hügel, Löwenzahnwiesen und kleine Dörfer, um auch dort zu sein. Sieht nach stalken aus, liegt aber daran, dass er beim dortigen Literatur Festival aus seinem neuen Roman "Alles außer irdisch" liest, der mich ebenfalls interessiert. Außerdem kann man gar nicht genug Horst Evers im Leben haben.

Weil ich vor dem Auftritt noch viel Zeit habe, sitze ich gemütlich in einem Café, trinke Cappuccino, esse ein Stück Mohn-Preiselbeerkuchen und schreibe konzentriert am neuen Puppenstück. Es sprudelt und ich muss keine Nachdenkpausen machen, weil in meinem Kopf alles anscheinend schon fertig ist. Als es Zeit wird zum Lesungsort zu fahren, muss ich fast bedauernd abbrechen. Aber ein neuer Anfang der Geschichte ist fertig, mit einer Zusatzfigur, die es im Buch nicht gibt. Inzwischen halte ich mich sowieso nicht mehr eng an die Originalgeschichte, sondern möchte lieber ein schönes Bühnenstück entwickeln, das auf der Grundidee basiert.

Der Abend in Prüm (gesprochen: Prümmm) mit der Lesung von Horst Evers ist klasse und hat einige skurrile Momente, die in den Augen des Autors ein amüsiertes Funkeln auslösen. Wenn das mal nicht Anstöße für neue Geschichten sind! Als er mich nach der Lesung sieht, zuckt er nicht mal erschrocken zusammen. Vielleicht kann er sich auch einfach sehr gut beherrschen.

Im Garten baue ich eilig ein Gestell um die wuchernden Herbst-Himbeeren. Wenn ich daran denke, dass ich dort im letzten Jahr fünf magere Pflänzchen eingesetzt habe, halte ich die Eingrenzung für sinnvoll. Sie soll vor allem den Himbeeren zeigen, dass dort ihr Platz ist und sie sich nicht einfach nach Lust und Laune ausbreiten können. Wenn ich die vielen Ausläufer betrachte, die weiterhin auch außerhalb ihres Gebietes wachsen, ist mir allerdings klar, dass sie das durchaus können und ihnen schnurzpiepegal ist, was ich davon halte. Ich lächel sie zustimmend an. Richtig so. Wenn man etwas unbedingt will, soll man sich nicht aufhalten lassen.

 

Blogübersicht nächstervorheriger