Blog 417 - 24.04.2017 - Himbeeren und Karibik

Am letzten Samstag schaffe ich es vom Inszenierungskurs gerade noch zum Theaterstück "Alle meine Söhne", einen Tag später sitze ich als Zuschauerin bei der Preisverleihung des Theaterfestivals. Die tolle "Söhne"-Produktion bekommt den ersten Preis, außerdem erhält eine der mitspielenden Darstellerinnen den Preis als beste Schauspielerin und dann gehört auch noch einer der Darsteller zu den drei Nominierten für den Preis als bester Schauspieler. Voll abgeräumt, würde ich sagen. Dass der eine von den drei Nominierten mein eigener Sohn ist, finde ich besonders cool, auch wenn ich immer wieder betone, dass er zuhause nie so rumbrüllt und seinem Vater auch nie wütend an die Kehle geht.  

Obwohl der Inszenierungskurs vorbei ist, bin ich doch stundenlang wieder "drin", weil ich für meine Homepage einen ausführlichen Bericht darüber schreibe. (Wer interessiert ist: HIER) Der Kurs hat mir nicht nur neue Kennt- und Erkenntnisse gebracht, er hat mich auch im Bezug aufs Puppenspielen verändert. Jetzt geht es endlich aktiv los. Ich platze fast vor Motivation, möchte mein kurzes Werkschau-Stück unbedingt ausbauen und in einer kompletten Version als Puppentheaterstück aufführen. Möglichst noch in diesem Sommer. Wenn das mal kein Plan ist!

Ganz vorbildlich steht meine Tischbühne im Wohnzimmer, damit ich weiter üben kann. Weil sie sehr klobig im Weg steht, ist das nur ein vorübergehender Standort. Sobald ich einen anderen Platz für sie gefunden habe, was nicht einfach sein wird, weil wir keine freien Plätze mehr haben, wird sie dort zwar ebenfalls klobig im Weg stehen, aber eben nicht mehr im Wohnzimmer. Vorbildlich schreibe ich auch die aktuelle Kurzversion mit allen Dialogen nochmal sauber als Spielbuch auf, damit ich sie gesichert habe und mit freiem Kopf an eine lange Version gehen kann. Ich freue mich sehr darauf.

Im Garten wollen meine unermüdlichen Herbst-Himbeeren, die im letzten Jahr bis in den November Früchte trugen, jetzt anscheinend den Garten komplett übernehmen. Sie wachsen in dichten Austrieben los und ihre Ausläufer kommen auch da raus, wo ich gar keine Himbeeren haben will. Ich habe das Gefühl, wenn ich mich kurz umdrehe, wachsen sie hinter meinem Rücken ganz schnell zwei Zentimeter weiter. Wenn sie bald mehrstimmig "Feed me!" rufen, wundert mich gar nichts mehr.

Vielleicht wusste die "Fachverkäuferin", die mir im letzten Jahr erzählen wollte, dass "Herbst-Himbeeren" ein Internet-Gerücht wären, besser Bescheid als ich dachte. Womöglich wollte sie mich nur warnen, weil sie wusste, dass, wer einmal auf Herbst-Himbeeren reinfällt, wenige Jahre später in einem zugewucherten Himbeer-Dschungel für immer verschollen ist. Jetzt ist es zu spät.

Am Samstagabend  fahre ich mit einer Luxusyacht durch die Karibik und bin die stilvolle politische Beraterin des diktatorischen Präsidenten. Zumindest ist das die Vorgabe des Krimidinners, das wir privat spielen. Unser fünfgängiges Menu duftet nach Ingwer, Chili und exotischen Früchten, die Deko auf dem Tisch besteht aus Bananen und es ist ganz egal, dass wir uns auf festem Wohnzimmerboden befinden. Was in den Krimi-Spielen allerdings an Handlungssträngen, Verwicklungen und Zufällen aufeinanderprallt, ist mit meinem neuen Inszenierungsfachwissen schwer zu ertragen. Wenn ich mit so was beim Dozenten angekommen wäre, hätte ich bestimmt nochmal von vorne anfangen müssen. 

 

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