Blog 415 - 10.04.2016 - Der Frosch und ich im Inszenierungskurs

Die Hälfte des zweiwöchigen Inszenierungskurses ist erreicht, und die Zeit fliegt erschreckend schnell vorbei. Wir haben schon so viel geschafft, aber es liegt vermeintlich immer noch ein Berg von Arbeit vor uns. Was? In einer Woche wollen wir schon unseren kurzen Ausschnitt vorspielen? 

Wir lernen über Akte, Wendepunkte, Expositionen und "Points of no return", zerpflücken unsere Texte in einzelne Szenen, die wir zuordnen und besprechen, improvisieren kurze Anfangszsenen und reden gemeinsam über die Wirkung unserer Umsetzung. Was ist gut, wo fehlt etwas, was passt gar nicht? Und warum ist es gut, was fehlt und warum passt es nicht?

Während Baukurse bei Bodo Schulte für mich vergnüglicher Urlaub sind, ist dieses Seminar bisher ein fordernder Lernblock, der fast durchgehend Konzentration und eigenes Nachdenken verlangt. Ich merke, dass abends der Kopf voll ist, sich aber weiterhin nur um das Stück dreht. Blöderweise werde ich auch noch jeden Morgen weit vor dem Weckerklingeln von irgendeiner Idee geweckt, die sich unbedingt sofort mitteilen muss. Ich schlafe zu wenig, mein innerer Motor dreht seit Tagen auf 180 und manchmal gibt es kurze Anflüge von Verzweiflung, weil die Zeit immer knapper wird. Trotzdem bin ich gut gelaunt, voller Energie und hochmotiviert. Wie alle im Kurs.

In einer Woche spielen wir vor. Ich schreibe immer noch am Spielbuch. Außerdem baue ich zwei Handpuppen, weil ich jetzt doch ganz anders als vorher gedacht inszeniere. Außerdem brauche ich einen Teich und ein Schloss. Und zwei zusätzliche Arme zum Spielen. Und am liebsten noch mindestens drei Wochen Probezeit. Der Frosch ist gut gelaunt und wartet ab, was mit ihm passiert.

Bei aller Arbeit gibt es aber immer viel zu lachen. Mit allen zusammen, aber auch bei der eigenen Probearbeit. Als ich mit Handpuppen eine Szene spiele - ganz alleine im Raum - lache ich immer wieder laut auf. "Oh, je, ich kann das ja gar nicht. - Boah, muss ich die Arme wirklich so hoch halten? - Wie soll denn die Prinzessin am Frosch vorbei gehen können, ohne dass ich meinen Arm um 360 Grad auskugel?" Wie schön, dass ich es mit Humor nehme. Üben muss ich also auch noch viel. Ach, eine neue Prinzessin baue ich auch gerade.

Blogübersicht nächstervorheriger