Blog 411 - 13.03.2016 - Katze, Frosch, Prinz, Giraffe, Zitronenfalter und Echse

Am letzten Sonntag steht noch das Puppentheater auf dem Ausflugsplan. Ich fahre ins 100 km entfernte Schwerte, um Daniel Wagner vom "Theater Zitadelle" die "gestiefelte Katze" spielen zu sehen. Es ist für mich die letzte Möglichkeit, ihn und die Katze vor meinem Inszenierungskurs anzusehen, und ich möchte das unbedingt. Die wenigen Minuten, die ich ihn bei den "Puppenstars" mit der Katze spielen sah, haben mir extrem gefallen und es ist genau die Spielrichtung, wie ich sie mir für mein kurzes Stück im Kurs vorstelle.  

Sehr fasziniert gucke ich seiner Vorstellung zu und bin begeistert wie lebendig, abwechslungsreich und mit großer Spielfreude er eine Stunde lang spielt und dabei Kinder und Erwachsene durchgehend hält. Als die Zuschauer nach dem großen Endapplaus aufstehen, höre ich, wie eine Frau freudig sagt: "Ich habe mich gefühlt wie in einem Pixar-Film." Klar, Theater und Animationsfilm sind ein großer Unterschied, aber es ist doch ein Riesen-Kompliment und sagt etwas über die Qualität und feine Abstimmung des gespielten Stücks aus.

Auf dem Rückweg im Auto bin ich hochmotiviert und von ganz alleine entstehen in meinem Kopf Szenen für meine Froschgeschichte. Ich spreche sogar mit verstellten Stimmen kleine Dialoge, was sich innerhalb meines Autos komisch anhört, von außen, trotz der Quakerei, vermutlich aber nur wie ein seriöses Gespräch über die Freisprechanlage aussieht. Wenn nicht, auch egal. Einerseits ist es toll, dass mir so viel zum Stück einfällt, andererseits aber blöd. Ich wollte doch ohne eine gedankliche Vorinszenierung im Kurs sitzen, um ganz frei für neue Ideen zu sei. Und jetzt habe ich so viel im Kopf, dass ich damit schon eine mindestens halbstündige Vorstellung entwickeln könnte. Aber mal abwarten. Vielleicht sind die tollen Ideen gar nicht umsetzbar und ich muss im Kurs dann doch ganz neu beginnen.

Kaum ist der Frosch einigermaßen fertig, finde ich, dass seine Hinterbeine viel zu kurz sind. Oder doch nicht? Mmmh. Mein kritischer Blick liegt an der vielen Zeit, die ich noch habe. Wenn es nicht dringend ist, mäkel ich gerne an Kleinigkeiten herum. Ich verschiebe die Entscheidung, lege den Frosch weg und beginne mit dem Prinzen. Der soll zwar wie ein Prinz, aber auch noch ein wenig wie ein Frosch aussehen. Mal gucken, wie er sich entwickelt. 

Sozusagen um die Ecke, in Frechen, liegt die Grundschule, an der ich in dieser Woche von der Giraffe lese. Es ist eine tolle Schule, an der ich immer gerne bin. Nach den Lesungen erzähle ich dem Schulleiter von meinen Puppenspielplänen und bekomme sofort das Angebot für eine eigene Puppenvorstellung im Zirkuszelt. Der Termin ist zwar erst in vier Jahren, wenn der Zirkus für ein Projekt wieder an der Schule ist, aber immerhin. Für 2020 habe ich also den ersten Buchungstermin im Kalender. Fängt doch gut an mit der Puppenspielkarriere!

Ansonsten ist Werkeln im Garten angesagt. Ich schneide, räume, harke, lege dicke Bohnen in die Erde, sehe den ersten beiden Zitronenfaltern zu, die durch den Garten flattern und wunder mich sogar über eine Libelle. Es ist Mitte März, und obwohl es morgens oft noch kalt ist, singen vor dem Sonnenaufgang schon die ersten Vögel und tagsüber gucken sich einzugsbereite Meisen den Meisenkasten an.

An einem Nachmittag sitze ich dann tatsächlich mal mit einem Buch und einer großen Tasse Tee eine halbe Stunde im Garten. Im T-Shirt, so warm ist es. Lange hält es mich allerdings nicht in der Ruhestellung.

Am Ende der Woche gucke ich mir Michael Hatzius in der Kölner Comedia an. Endlich mal. Er ist der Mann mit der Echse, die ich sehr faszinierend finde. Und mit Puppen offen auf einer Bühne spielen - das ist gerade genau mein Thema. Kurzentschlossen sitze ich ganz vorne, weil ich nicht das Gesamtbild, sondern die Details sehen möchte. Es zeigt sich, dass Michael Hatzius nicht nur die abgeklärte, etwas ruppige Echse, sondern auch völlig andere Puppen und Charaktere spielen kann. Ich gucke und höre fasziniert zu. 

Er lässt sich Zeit für die Nummern, ist sprachlich sehr gut, klug, schnell und witzig in der Improvisation - es macht wirklich Spaß. Er selber wirkt auf mich manchmal fast distanziert, - der alles durchschauende Spaßmacher und Hofnarr auf der einen Seite, auf der anderen das (nicht immer intelligente) Publikum, - aber die Emotionen lässt er locker und überzeugend über die Puppen raus. Ist vielleicht auch gewollt, dass er sich selber zurückhält. Jedenfalls schafft er es beim Spielen problemlos, mit einem kleinen Huhn, das mit einem Stab am Kopf gehalten wird und nicht mal Schnabelbewegungen machen kann, das komplette Publikum zu mitfühlendem Schweigen zu bringen. Es ist totenstill in der Comedia, nicht mal gehustet wird. Großartig! Muss ich erwähnen, dass ich danach noch viel mehr Lust auf meinen Inszenierungskurs habe?


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