Blog 407 - 14.02.2016 - Wise Guys-Abschied und Puppenshow-Finale

Mein optisch ruhiges, weiß gestrichenes und fast meditatives Schreib- und Illustrierzimmer wird zunehmend zur Werkstatt. Zu einer bunten, vollgestopften Puppenbau-Werkstatt, in der es inzwischen nicht nur Stapel von Zeugs, sondern sogar Bilder an den Wänden gibt. Die meditative Ruhe und Beruhigung für die Augen ist eindeutig dahin. Immerhin bekomme ich durch Plastikboxen, Regale und Hakenleisten langsam Ordnung in die Material- und Werkzeugflut, und nichts ist schöner, als mit einem einzigen Griff die Box mit den Plüschresten oder die Dose mit den Augen in der Hand zu haben. Wenn ich demnächst an einem Kinderbuch schreibe, werden an den Wänden bunte Bilder den Blick auf sich ziehen und Scheren und Lineale griffbereit vor meiner Nase baumeln.

Ich ordne, sortiere und arbeite zwischendurch an den beiden Rumpelwichten weiter. Den ganzen Winter über ist es mild geblieben, und so sitze ich Anfang Februar bei geöffnetem Fenster, die Sonne scheint und die ersten Amseln singen schon wieder. So frühlingshaft könnten die Tage von mir aus bleiben.

Gegen Ende der Woche treffen sich mein früheres und mein aktuelles Leben zufällig am selben Tag. Bei beiden gibt es für mich wichtige Ereignisse, auch wenn diese völlig unterschiedlich sind. Tagsüber verkünden die Wise Guys, dass sie aufhören werden und am Abend läuft im Fernsehen die Puppenshow, für die ich gebaut habe und bei der ich eine kleine Nebenfigur spiele. Hier hört es auf, dort beginnt es. Dass die Wise Guys-Marionetten aus dem Jahr 2003 eine Verbindung der beiden Bereiche in meinem Leben sind, fiel mir gerade erst beim Umräumen des Arbeitszimmers wieder auf. 

Erst in eineinhalb Jahren werden die Wise Guys ihr letztes Konzert geben, aber das Ende ist trotzdem in Sicht, zumal Andrea, der Bass, sofort gehen wird und ersetzt werden muss. Die Wise Guys, für die ich viele Jahre lang so aktiv war, hören auf, das ist schon ein komisches Gefühl. Von der Meldung werde ich nicht überrascht, aber sie jetzt offiziell zu lesen, ist so konkret und endgültig. Bis dahin war es immer noch möglich, dass sich doch ein neuer Weg ergibt und es weitergehen wird. Ich wünsche Dän, Eddi, Nils und Sari, dass es bis zum Sommer 2017 mit viel Energie und Freude weitergeht und sie dann zufrieden und lächelnd abschließen und neue Wege gehen können.

Am gleichen Abend sehe ich mir die Finalshow der "Puppenstars" im Fernsehen an. Ich sitze in einer größeren Gruppe netter Leute, von denen einige nicht wissen, was das für eine Show ist und die meisten anderen nur mal in eine der vorherigen Shows reingesehen haben. Einzig der Gastgeber hat Bezug zur Sendung. Und ich ein wenig. Alle sind da, um gemeinsam die Show anzusehen. Ich kenne nur den Gastgeber und sonst niemanden. Es gibt Bier, Fassbrause und Chips, außerdem Kommentare, Fragen, blöde Bemerkungen und Gelächter. Obwohl ich keinen kenne, fühle ich mich in der ungezwungenen und gemütlichen Atmosphäre wohl und habe schnell Kontakt.

Als die "Walter"-Nummer dran ist, muss ich grinsen, denn "mein" Schlagzeuger ist sehr wenig zu sehen und es wird gar nicht klar, wie unermüdlich und tapfer er sich mit seinen störrischen Sticks durchschlägt. Überhaupt gehen die drei kleinen Puppen-Musiker hinter der Menschen-Tanzgruppe, die groß ist, glitzert und sich weit ausholend bewegt, ziemlich verloren. Es ist ja nicht so, dass ich mir das nicht gleich gedacht hätte, aber anscheinend konnte die Produktionsfirma die Kraft und Faszination der Puppennummern einfach nicht erkennen und klotzte lieber überall bewegte Bühnenprojektionen und schnelle Showelemente dazu. Dabei wäre weniger so viel mehr gewesen.

Am Ende ist dann auch noch das schön geprobte Versinken der drei Musiker komplett rausgeschnitten und ich frage mich, warum wir das alles geübt haben. Aber egal. Ich weiß, dass ich während des Auftritts lachend hinter dem glitzernden Vorhang auf der Showbühne saß, immer wieder abstimmenden Blickkontakt zu den Spielern der beiden anderen Puppen hatte, vorne hüpfte die Tanzgruppe entlang, hinten sang Walter, mein Schlagzeuger hämmerte wie wild auf seine Trommeln ein - und ich hatte einen Riesenspaß. Auf die Erfahrungen und Erlebnisse der letzten Monate möchte ich sowieso nicht verzichten. Vieles davon könnte ich wunderbar in einem schrägen Roman über eine Show verarbeiten, aber vermutlich würde der an vielen Stellen unglaublich und übertrieben klingen.

 

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