Blog 406 - 07.02.2016 - Rumpelwichte und Karneval

Wie erwartet räume ich noch drei Tage später an den Überbleibseln der großen Geburtstagsfeier herum. Die mehr als 300 Dessertgläschen spüle ich, stapel sie sorgfältig in ihre Kisten und überlege, wo ich die überhaupt unterbringen kann. Ich habe doch sowieso viel zu wenig Platz und jetzt auch noch Unmengen von Dessertgläschen. Manchmal halte ich mich selber für ziemlich bekloppt.  

Nach den sehr aktiven letzten Wochen genieße ich, dass es jetzt erstmal deutlich ruhiger ist. Außerdem habe ich mir beim nächtlichen Aufräumen nach der Feier eine kräftige Erkältung zugezogen und lege mich auch tagsüber ins Bett, sobald ich das Gefühl habe, ich sollte wieder etwas schlafen. Wie gut, dass ich meinem Gefühl spontan folgen kann.

Zwischendurch beginne ich mit dem Bau von Puppen. Ganz gemütlich. Im April wird das Theaterstück Ronja Räubertochter gespielt und dafür werden zwei Rumpelwichte als Klappmaul-Puppen gebraucht. Wie Rumpelwichte aussehen, ist im Ronja-Film zu sehen, aber ich baue Figuren nie einfach nur nach, denn das finde ich nicht nur unkreativ, sondern auch geklaut. Von daher informiere ich mich erstmal, was Rumpelwichte sind, was sie machen und wo sie leben. Danach habe ich mein eigenes Bild von ihnen.

Auf keinen Fall haben sie wie im Film spärliche Haare, denn Wesen, die im Winter ohne Mütze im Wald leben, sind niemals kahlköpfig. Zotteliges Fell ist OK, auch wärmende Kleidung und ganz besonders die grün-braunen Farbtöne. Es sind Natur-Wesen und das muss man sehen. Im Grundcharakter sind sie sehr naiv, zaghaft und sie jammern schnell, darum dürfen sie nicht stark und fröhlich wirken. Wie praktisch, dass ich vor zwei Wochen versehentlich ein pessimistisches Mädchen gebaut habe. Ich bin voll die Expertin.

Wenn nicht gerade Karneval im Rheinland wäre, würde ich gleich mal zu meinem Stoffgeschäft fahren und mich nach passenden Fellvarianten umsehen. Aber nicht nur, dass es im Stoffgeschäft vermutlich sehr voll sein wird, an den Karnevalstagen spare ich mir generell die Innenstädte. Vorerst habe ich auch ohne passende Stoffe genug mit dem Bauen zu tun.

Als am Freitagabend die zweite Sendung der "Puppenstars" läuft, sitze ich mit Katze und Tee vor dem Fernseher und gucke zu. Die A-cappella-Gruppe "Maybebop" tritt auf und fliegt sofort wieder raus. Das liegt nicht am Gesang, sondern weil die Gruppe - trotz einer angedeuteten Verkleidung - nichts mit Puppen zu tun hat. Ein Problem der Produktionsfirma, die sich deutlich zu viele Acts geholt hat, die nicht mal weitgehend zum Bereich Puppenspiel gehören. Immerhin erfreuen die Maybebops mit schönem Gesang, und wirklich Wert auf den Titel "Puppenstars" werden sie wohl nicht legen.

Viele nicht zum Thema "Puppen" passende Nummern und die nervenden Zwischenmoderationen, die mit sinnfreiem Geplapper sogar die sensibelsten Stellen stören, ermüden sehr beim Zusehen. Ganz abgesehen von den schlimmen Schnitten und den Nummern, die nicht gut sind. Die Entwicklung der Show von der ursprünglichen Planung bis hin zur jetzigen Ausführung ist schon verwunderlich. Und bedauerlich, denn das hätte wirklich etwas ganz Besonderes werden können. Jetzt ist es leider doch weitgehend ein in Form gepresstes, oberflächliches Castingformat. Zum Glück finde ich zwischen den großen, leeren Show-Effekten immer noch schöne und lohnenswerte Puppenspiel-Szenen, die mich berühren, über die ich staune oder lache und die mich bei eigenen Projekten inspirieren können. Da zeigt sich, wie toll Puppenspiel sein kann. 

In der zweiten Sendung tritt auch "Walter" auf, der singt und mit drei Jury-Sternen weiter ins Finale kommt. Das Finale wird am nächsten Freitag gesendet, und dort wird er eine kleine Band haben, die ihn musikalisch unterstützt. Der Schlagzeuger haut dabei unbeirrbar und unermüdlich auf seinem kleinen Schlagzeug herum, und hinter der Spielleiste sitze ich und grinse, weil ich mich so freue, dass ich ihn spiele. Ich habe keine Ahnung, ob er hinter seinen Trommeln überhaupt mal nah zu sehen sein wird, aber zumindest wird er in der Totale zu erahnen sein. Ich bin selber gespannt, denn ich habe keine Ahnung, wie es von vorne aussieht. Von schräg unten sah es ... schräg aus.

An einem Tag erwischt mich der Karneval traditionell doch noch, das ist der Samstag, an dem es immer eine Party gibt. In diesem Jahr mal nicht als Party bei den Wise Guys, sondern als Party bei Clemens, was früher mal Dasselbe war. Die Musik klingt laut durchs Haus, die vielen Gäste drängeln sich eng aneinander vorbei, es wird getanzt und die Stimmung ist klasse. Trotzdem wird es bei mir diesmal nicht so spät, denn mein Gefühl sagt, ich sollte es nach der gerade überstandenen Erkältung noch nicht übertreiben.

 

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