Blog 405 - 31.01.2016 - Die große Feier

Kaum ist meine Puppenspiel-Karriere im Fernsehen vorbei, geht es beim geheimen Geheimprojekt in den Endspurt. Letzte Planungen, Listen aktualisieren und immer wieder telefonieren. Mein Vater wird 80, und meine Schwester und ich organisieren die Feier, angefangen von den Einladungen, über das Programm, bis hin zum Essen, das wir selber machen. Zum Unterhaltungsprogramm der runden Geburtstage gehört auch immer eine Nummer, die von der engen Familie vorführt wird, und da spielen wir tatsächlich zum ersten Mal mit Puppen.

Es soll ein kleines Seemannslieder-Medley geben, ähnlich wie in einer Fernsehshow, in der nacheinander verschiedene Leute mit verschiedenen Liedausschnitten auftreten. Bei der zweistündigen Probe lachen wir viel, denn singende Fische und schmachtende Frösche haben ihren ganz eigenen Reiz. Nur das Huhn, das vom knallroten Gummiboot singt, braucht unbedingt noch eine Steigerung der Choreographie. Trotz gewaltiger Hühneraktivität dümpelt die kurze Szene vor sich hin. Ich greife zum Schaumstoff und baue ein passendes Boot, in dem die kleine Ratte hilflos über die Bühne treibt, während das Huhn singend drumherum hüpft. Sofort ist es lustig.

Außerdem falte ich weitere Papierschiffe für die Tischdekoration, suche alte Einmachgläser zusammen, in die Sand und Kerzen für eine stimmungsvolle Beleuchtung kommen und spüle 300 kleine Dessertgläschen mit der Hand. Oh je, wie soll ich die denn später gefüllt bis zum Buffet bekommen? Schon wieder fahre ich los, kaufe im Möbelhaus Kisten und im Baumarkt Bretter, um die Dessertgläschen gut gestapelt transportieren zu können. Wenn ich zwischen Bücherschreiben und Puppenspielen noch Zeit habe, könnte ich jetzt einen Party-Dessert-Service aufmachen.

Während ich plane und vorbereite, laufen in der RTL-Fernsehwerbung verstärkt Trailer für die "Puppenstars". In einem entdecke ich eine von mir gebaute grüne Musterpuppe, die ausgerechnet der Puppenspieler Martin Reinl auf der Hand hat. Genau der Martin Reinl, den ich vor fünf Jahren mit seinem Zirkuspferd für "Cover me" filmte. Währenddessen sprangen die Zellen in meinem Hirn wild herum und schrien: "Das wolltest du doch auch immer machen!!" Kurz danach setzte ich in einem Theaterstück einen Klappmauldrachen ein, den ich selber baute und dann glitt ich unaufhaltsam in die Puppenszene ab. Dass jetzt Martin - ohne es zu wissen - meine Puppe in der Fernsehwerbung hält, kommt mir wie ein Zeichen vor, dass alles richtig läuft.

Am Tag vor der großen Geburtstagsfeier rühre, koche, mixe und stapel ich ab morgens durchgehend. Über die perfekt funktionierenden Dessert-Gläschen-Transportkisten freue ich mich dabei fast mehr als über die nach und nach abgehakten Punkte auf der langen To-do-Liste.

Am Abend findet - für mich zeitlich etwas ungünstig, aber dann doch gut zum Runterkommen nach einem Tag voller Arbeit -, die Neujahrsfeier der Wise Guys statt. Es ist gemütlich und ich freue mich, dass ich immer noch Bezug zu "meinen" Wise Guys Zeiten habe. Einige Leute treffe ich tatsächlich nur einmal im Jahr zu diesem Anlass. Und natürlich sind mir Dän, Eddi und Sari so vertraut, als hätten wir alte Schulzeiten miteinander verbracht. War ja auch fast so. Dass ein Teil der Buffetdekoration wie die Trauerfeier zu einem doppelten Urnenbegräbnis wirkt, fällt vielleicht nur mir auf. Sieht skurril aus, sind aber tatsächlich Nudeln und Gemüse.

Und dann ist endlich die eigene große Feier gekommen. Die Deko steht, das Buffet ist gefüllt, die Service-Mannschaft ist an ihren Matrosen-Outfits zu erkennen und hat wechselnd Spüldienst in der Kombüse.

Mittendrin gibt es das Klappmaulpuppen-Seemannslieder-Medley, das den Gästen viel Spaß macht und sie zu Zugaberufen bringt. Die Zugabe gibt es aber nicht, denn zum einen ist die Mannschaft sofort wieder damit beschäftigt, frische Getränke zu bringen und Gläser zu spülen, zum anderen hat die knappe Probezeit gerade für das Medley gereicht. Außerdem wollten wir nicht, im Falle dass die Gäste uns nach der Nummer nur schweigend und mit großen Augen ansehen, noch eine Zugabe raushauen.

Am Ende der Feier bleibt das Aufräumen. Damit werde ich wohl heute, morgen und vielleicht auch noch übermorgen beschäftigt sein. Und nein, wir wollen keinen Partyservice aufmachen.

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