Blog 315 - 11.05.2014 - Ungestörte Werkeltage und Hans Süper

Die ganze Woche lang werkel ich mit wenig Außenkontakt sehr zufrieden vor mich hin. Die Ruhe und die weitgehend ungestörten Tage brauche ich gerade mal. Da ich immer Beschäftigungsfelder finde - meine Umgebung ist übervoll damit - wird es mir auch nicht langweilig. Der Katze erkläre ich eindringlich, dass sie sich nicht auf das Pavillondach vor den Meisenkasten setzen darf, wo sie die fütternden Elternvögel in ihrer Flugbahn abfangen möchte. Die fliegen in kurzem Abstand an ihr vorbei und sind sichtlich nervös, wenn sie mit Gewürm im Schnabel an ihr vorbei müssen. Ich habe jedoch das Gefühl, dass die Katze zwar verständig guckt, von ihrer Absicht aber nicht abweichen will. Da ich sie aber so zuquatsche, wenn sie dort sitzt, geht sie nach einiger Zeit immer freiwillig und ich winke die Meiseneltern erleichtert durch. Ich bin sozusagen Meisenfluglotse. Nur ohne die kleinen Tennisschläger zum Einwinken.

Im Hof räume ich endlich mal einen kleinen Schuppen frei und baue darin ein 160 cm breites IKEA-Regal auf. Der Raum, in dem ich das mache, ist 160 mal 150 cm breit. Wer das schon mal versucht hat, weiß, wie viel Spaß das macht. Die Tätigkeit entlockt mir wechselnde Flüche,  je nachdem ob der Schraubenschlüssel runterfällt, ich nur zwei Hände habe, aber vier brauche, die Schraube nicht gedreht werden kann, weil die Wand zu nah ist oder mir ein Brett auf den Kopf kippt. Als das Regal endlich steht, ist es stabil, passt perfekt und sieht toll aus. Schade nur, dass ich für die gegenüberliegende Wand noch eins brauche.

Zwischendurch schreibe ich den Bericht über "Die Pfisters in der Toskana", sehe den dicken Bohnen beim Wachsen zu, freue mich über den kräftigen Regen, lese in einem dicken Indien-Schmöker und schneide meine Buchsbäume rund. Nicht alles gleichzeitig, aber immer so, wie ich gerade Lust habe und ob es gerade regnet oder nicht.

Am Ende der Woche gibt Hans Süper ein kleines, sehr feines Konzert in einem Kölner Brauhaus. Früher war er die wirbelige Hälfte des Colonia Duetts und hat die Zuschauer mit seinen Kommentaren, die immer noch oft zitiert werden, zu Lachanfällen gebracht. Heute ist er ein geliebtes Kölner Original, und seine Abende mit Witzen, Erzählungen, Liedern und vor allem seinem unvergleichlichen Mandolinenspiel, sind Highlights. Ein Vollblutmusiker, der aus seiner Mandoline die jazzigsten Akkorde rausholt, vermutlich keine Ahnung hat, WAS er da gerade spielt, aber einfach großartig ist. Das ist wieder mal einer der Abende, der unvergesslich sein wird.

Dass, kaum Zuhause angekommen, die bärtige Conchita Wurst den Eurovison Song Contest gewinnt, ist ein schöner Abschluss. In letzter Zeit scheinen die homophoben Stimmen wieder zuzunehmen und da ist es ein gutes Zeichen, dass Conchita europaweit Zustimmung bekommt. Mir kommt jeder religiöse Eiferer gefährlicher vor als ein netter, schwuler Mann in Frauenkleidern.