Blog 399 - 20.12.2015 - Extrem-Puppen-Bauing

Es ist eine Woche voll mit Arbeit, Arbeit, Arbeit. Stundenlanger, richtig intensiver Arbeit. Aber da die Arbeit nur aus Puppenbauen besteht, ist es eine ausgesprochen schöne und wunderbare Woche. Extrem-Puppen-Bauing. Es beginnt gleich am Montag mit einem Tag im Sauerland, wo ich bei und mit Bodo Schulte Musterköpfe für einen Workshop mit Kindern baue. Er ist der Boss, ich bin die Assistentin. Zum Glück lässt er mich als Assistentin nicht nur die Werkstatt fegen, Kaffee kochen und die Pattextube hinter ihm zudrehen. Ich darf bauen, und als vorbildlicher Boss kocht er den Kaffee sowieso selber. 

Wir schneiden, kleben und werkeln den ganzen Tag mit Schaumstoff, und ganz nebenbei habe ich einen Intensiv-Kurs im Schnittmusterbauen. Bisher hatte ich nie sehr genau zugehört, wenn er das erklärt hat, weil ich dachte, dass ich das für meine eigenen Puppen wohl kaum brauchen werde. Jetzt muss ich es können, bin ich begierig auf jedes Detail und nehme mir vor, dass ich ab jetzt bei jedem noch so entfernten Bau-Thema aufmerksam zuhören werde, weil ich vermutlich alles irgendwann mal brauchen kann. So wie ich im Sommer plötzlich den Klappenzug bei meinem Bauchredner brauchte und vorher immer gedacht hatte: "Schöne Idee, aber sowas baue ich nie."

Auch wenn ich es noch leicht unangenehm spüre, macht mein Auge keine wirklichen Probleme mehr. Mir ist besonders am Montag sehr bewusst, dass alles hätte schlimmer ausgehen können. Wenn die Scherbe größer gewesen und in anderem Winkel auf mein Auge getroffen wäre, säße ich jetzt nicht gut gelaunt in einer Werkstatt, sondern würde vielleicht in der Klinik um mein Auge bangen. Da hatte ich wirklich Glück!

Kaum vom intensiven Bautag zuhause angekommen, baue ich drei Tage lang weiter, teste die leicht geänderten Schnittmuster für die Puppen aus, kopiere sie, baue Modelle und schnippel Nasen-Rohlinge. Es gibt einiges vorzubereiten, damit der Workshop mit den Kindern gut klappt. Die müssen in recht knapper Zeit ihre Puppen bauen.

Drei Tage dauert der Kurs und er startet am Freitag. Fünfzig Kinder sitzen eng nebeneinander in einem Raum, reden, rufen, lachen und kleben alle gleichzeitig mit Pattex an ihren Puppenköpfen. Nicht nur der Kursleiter ist extrem beschäftigt, auch seine beiden charmanten Assistentinnen, von denen ich eine bin, sind voll im Einsatz. Dekorativ rumstehen und lächeln ist nicht. Es heißt erklären, schneiden, Fäden einfädeln, fühlen, ob der Kleber trocken genug ist und rettend eingreifen, wenn es irgendwo hakt. Oder klebt. Oder nicht klebt.

Die Kinder bauen mit Begeisterung, es klappt alles sehr gut und macht Spaß, ist aber auch fordernd. Oft komme ich eine Stunde lang nicht vom Fleck, weil immer mehrere Kinder um mich herum stehen, die Hilfe brauchen. "Wo kommt der Kleber drauf?", "Wie lange muss ich warten, bis es fest ist?", "Kannst du mir einen Knoten in den Faden machen?", "Frau Dewitz, Frau Dewitz, ich weiß nicht, wo ich den Stoff abschneiden muss!", "Meine Nadel ist weg!" und, mein Lieblingsatz von einem kleinen, blonden Mädchen: "Können Sie mir beim Kleben helfen, ich bin ja erst sieben."

Als ich in einer kurzen Mittagspause in einem trubeligen Einkaufzentrum sitze und esse, kommt es mir da schon fast ruhig und entspannend vor im Vergleich zum lauten, wuseligen Workshop, in dem durchgehend etwas los und nicht eine Minute Ruhe ist. Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende zu einer Lesung von Gayle Tufts und zu einem Wise Guys Konzert. Aber stattdessen als Puppenbauerin unterwegs zu sein, ist nicht zu toppen. Ach, und in vier Tagen ist Weihnachten? Das kommt für mich jetzt etwas überraschend.

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