Blog 397 - 06.12.2015 - Weihnachtskarte und Schaumstoffohren

Die erste Weihnachtsgrußkarte des Jahres bekomme ich sozusagen von mir selbst. Vor einigen Wochen habe ich für Wünsch-dir-was, einem bundesweiten Verein, der schwer erkrankten Kindern Wünsche erfüllt, eine Weihnachtsillustration gemalt und ein dazu passendes Gedicht geschrieben. Jetzt bekomme ich weihnachtliche Grüße mit meinem Bild drauf und dem Gedicht im Innenteil. Ich freue mich, dass alles so gut gepasst hat und das Ergebnis schön farbig strahlt.

Die Original-Illustration liegt peinlicherweise immer noch auf meinem Küchentisch in dem Stapel, der "dringend sortiert und weggeräumt werden muss". Ich bin einfach zu viel unterwegs. Aber bevor ich mich an den Stapel begebe, fange ich mit dem Tisch im Arbeitszimmer an, der ebenfalls "dringend leer geräumt" werden muss und sortiere dann die Kisten für den Puppenbau, die "dringend sortiert und aufgefüllt" werden müssen. Endlich habe ich wieder Platz und den Überblick. Beim Bauen für die Puppenshow sind einige Näh- und viele Stecknadeln draufgegangen, und die muss ich jetzt schnell ergänzen.

Ach, was ist das für ein Glücksgefühl, wenn ich Schranktüren öffne und mir halbfertige Gesichter entgegenblicken, wenn in Kisten Hände und Arme herumliegen und ich unerwartet zwei fertig genähte Ohren finde! Ich finde ja schon, dass ich als Autorin und Illustratorin meiner Kinderbücher einen Traumberuf habe, aber Puppenbauerin und -spielerin ist es auch. Wie toll, dass ich beides machen kann! Unbegrenzte Möglichkeiten.

Das Aufräumen ist eine gute Entscheidung, denn in der nächsten Woche habe ich eine schwierige Puppen-Operation vor mir. Komplizierte Kiefer-OP mit leichter Hautstraffung und anschließender Teint-Behandlung - da brauche ich Ruhe, Platz und alle Klebe-, Schneide- und Nähwerkzeuge griffbereit. Während der heiklen OP könnte natürlich auch eine der vielen gurkentee-Verlags-Mitarbeiterinnen neben mir stehen und als OP-Schwester die passenden Werkzeuge anreichen, aber dann macht die womöglich eine blöde Bemerkung - alle Verlags-Mitarbeiterinnen neigen sehr dazu - und ich muss lachen und Zack! hat der Patient einen Schnitt, wo er ihn nicht haben möchte.

Passend zu meiner Puppenbau-Aktivität kommt auch noch ein großes Paket mit acht Metern dünnem Schaumstoff an. Wie toll! Mein kleines Arbeitszimmer ist jetzt zwar vollgestopft, aber sollte ich demnächst eingeschneit werden, habe ich alles vorrätig, um in aller Ruhe wochenlang Puppen zu bauen und den Frühling abzuwarten. Wenn das mal nicht beruhigende Aussichten sind!

Ansonsten weiß ich, dass in drei Wochen Weihnachten nicht nur da, sondern sogar schon vorbei ist, verdränge den Termin aber immer noch erfolgreich. Keine Lichterkette, keine Plätzchen, nicht die geringsten Geschenküberlegungen. Gefühlt ist das alles noch mindestens zwei Monate weit von mir weg. Ich hab den Kopf voll mit anderen Sachen, denke ans Puppenspielen, ans nächste Frühjahr und erledige viele liegen gebliebene Sachen. Vermutlich werde ich auch in diesem Jahr wieder sehr überrascht sein, wenn die Weihnachtstage plötzlich vor der Tür stehen. Aber wer weiß, vielleicht krame ich in der nächsten Woche mal nach ein paar Kerzen. Oder esse Kekse. Oder sortiere Näh- und Stecknadeln in meine Nadelbox.

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