Blog 392 - 01.11.2015 - Herbst, Grebe, Weise, Kulissen, Reichow

Wie schade, dass der Sommer schon vorbei ist, aber schön, dass es einige Tage lang einen sonnigen Herbst gibt. Wie in jedem Jahr denke ich, dass ich viel zu wenig Zeit im Garten verbracht habe. Aber ich tu ja auch ständig irgendetwas anderes. Immerhin ist alles einfach weitergewachsen, auch wenn ich nicht daneben stand. Leider nicht immer so, wie ich es vorgegeben hatte.

Vor zwei Jahren hatte ich mir überlegt, wie ein junger, kleiner Sauerkirschbaum schräg neben dem Weg emporwachsen kann und wie romantisch es sein wird, unter den Ausläufern seines grünen Blätterdaches entlang zu laufen. Blöderweise wuchs er seitdem sehr in die Breite und nur wenig in die Höhe. Inzwischen ist er zu einem zwei Meter hohen, buschigen Hindernis geworden. An Regentagen muss ich mich an seinen tropfend nassen Blättern vorbeiquetschen. Nur sehr kleine und sehr geschickte Limbotänzer kommen überhaupt unter ihm entlang. Kurzentschlossen buddel ich ihn aus und versetze ihn. Vermutlich wächst er an der neuen Stelle ab jetzt nur noch steil in die Höhe und wird mir in zwei Jahren zu groß sein. Das Gartenleben hält immer neue Überraschungen bereit. 

Obwohl ich in der letzten Woche beim Konzert von Rainald Grebe keinen Fotoapparat dabei hatte, mein Handy nur sehr schlechte Bilder macht, und die wenigen, von mir mühsam beim Stehkonzert gekritzelten Notizen nicht alle lesbar sind (was habe ich bloß mit "Gruchenchuch" gemeint?), schreibe ich einen Konzertbericht. Ich nehm mir ja nicht immer die Zeit, nach dem Besuch einer Veranstaltung darüber zu schreiben, besonders nicht, wenn ich keine ordentlichen Fotos machen konnte, aber hier möchte ich es unbedingt.

Rainald Grebe - Bericht auf  www.reihedrei.de


Außerdem fahre ich in dieser Woche spontan zum Bonner Pantheon, wo im Casino Friedemann Weise auftritt. Ich bin in der Stimmung, einen schrägen und witzigen Abend zu erleben. Im Januar habe ich Friedemann Weise zum ersten Mal live gesehen, und auch für ihn waren da die Auftritte mit einem eigenen Programm noch recht neu. Inzwischen ist er genauso witzig geblieben, aber noch viel lockerer im Umgang mit Publikum und Bühne geworden. Sein Humor ist schnell, schräg und trocken, und es gibt keine langen Geschichten mit Erzählbogen und eingeleitetem Ende, sondern meistens knackig kurze Bemerkungen: "Sind Pflaster in Afrika auch hautfarben?", Zack, fertig. Auch da schreibe ich am nächsten Tag eine Ergänzung unter den ersten Konzertbericht vom Januar.

Friedemann Weise - Bericht auf  www.reihedrei.de


Das Ergebnis vom Casting für die Puppenshow lässt auf sich warten, obwohl es für diese Woche angekündigt war. Zeitlich kommt mir das etwas eng vor, denn in drei Wochen ist die nächste Castingstufe schon gelaufen. Habe ich jetzt frei, weil ich draußen bin oder muss ich demnächst blitzschnell an zwei Nummern arbeiten, eine Fahrt nach Berlin einplanen und meine Alltagstermine dementsprechend absagen oder verschieben? Ist ja nicht so, dass ich terminlos zuhause sitze und mich freue, wenn mal was los ist.

Da ich nicht mal weiß, welche der beiden Spiel-Varianten gefragt sein könnte, kann ich mich auch noch nicht ernsthaft damit befassen. Immerhin ist mein Kopf darum frei und ich nutze die Zeit, um schnell noch die Kulissen für das Weihnachtstheaterstück zu bemalen. Da spiele ich zwar in diesem Jahr nicht mit, aber Kulissen gibt es ja trotzdem. Zum Glück diesmal nicht sehr aufwändige. Ich brauche für die sieben großen Stellwände trotzdem einen ganzen Tag und fühle mich danach, als hätte ich alleine einen Umzug bewältigt. So vom dritten Stock runter und nebenan in den fünften wieder hoch.

Während des Pinselns in der wochenend-leeren Schule höre ich Lieblings-CDs. Nach einigen Stunden wechsel ich zum Radio und lache vergnügt auf: Bei WDR5 beginnt gerade ein Mitschnitt vom Lars Reichow-Programm "Freiheit". Was für ein verrückter Zufall! Als ich vor drei Jahren an den Piraten-Kulissen pinselte, lief im Radio ebenfalls ein Lars-Reichow-Mitschnitt. Ich hörte damals zwei Stunden fasziniert dem "Goldfinger" zu und wollte danach unbedingt zu einem Live-Programm von ihm gehen. Inzwischen war ich in mehreren seiner Programme und seine Stimme ist mir sehr vertraut. Dass er mich, ausgerechnet als ich Theater-Kulissen bemale, schon wieder so wunderbar unterhält, kann kein Zufall, sondern muss ein Zeichen sein. Nur für was? Mir fällt nichts ein.

Vielleicht ist es auch ein zufälliges Zeichen. Oder einfach nur Glück, denn die letzten beiden Stunden Pinselei schaffe ich mit seiner Begleitung plötzlich wieder munter und angeregt. Ich singe sogar laut mit, was sich im halligen, großen Schulfoyer richtig gut anhört. Lars Reichow und Anette Dewitz im Duo - ich hoffe, dass sich kein Hausmeister im Gebäude befindet und plötzlich mit großen Augen verschreckt um die Ecke guckt.


Herbst-Himbeeren, Ende Oktober. Ohne Kommentar.

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