Blog 389 - 11.10.2015 - Himbeeren und ein Weihnachtsgedicht

Immer noch gibt es täglich süße Himbeeren an den Herbststräuchern. Die Sommerhimbeeren denken dagegen schon lange nicht mehr an Früchte und spielen Herbst. Wenn das die Gartenfachkraft aus dem Gartencenter wüsste, die mir im Frühsommer noch versicherte, dass das mit den Unterschieden der Herbst- und Sommer-Himbeeren Quatsch aus dem Internet wäre!

Allerdings betrachte ich die Herbst-Himbeersträucher mit zunehmender Sorge. Ich habe sie vor Monaten in vorgeschriebenem Reihenabstand eingesetzt und den Sommer über blieben sie auch brav übersichtlich nebeneinander stehen. Aber inzwischen wuchern sie urwaldmäßig in alle Richtungen und ihre teils meterlangen Rispen schlängeln sich bis in andere Gartenbereiche. Anstelle einer hübschen Himbeerreihe, vor der Johannis- und Jostabeerensträucher stehen, gibt es jetzt einen Hügel aus durcheinander wachsenden Himbeerranken, unter denen sich die anderen Sträucher befinden. Ich habe Angst, dass ich eines Morgens nicht mehr in den Garten komme, weil sich die Herbst-Himbeeren als lebende Mauer um das Haus ranken. Das Dornröschen-Problem in der Himbeer-Variante.

Das Casting für die Puppenshow rückt näher und einige Spiel-Details vergesse ich immer wieder. Vor drei Wochen dachte ich dann: "Ach, in vier Wochen habe ich die alle drin!" Inzwischen denke ich: "Nur noch eine Woche, und ich krieg's einfach nicht hin!" Natürlich will ich es jetzt auch ganz besonders gut machen, um die fehlende langjährige Spielpraxis auszugleichen, von der man gerne wissen darf, die aber möglichst nicht sofort zu sehen sein soll. Und für meinen rechten Arm hätte ich gerne einen Personal-Trainer, damit der einfach mal minutenlang hochgestreckt Puppen spielen kann, ohne stöhnend in sich zusammenzusinken.

Erstaunlicherweise wache ich nur einmal nachts auf und frage mich, warum ich bei einem Casting mitmache und ob ich eigentlich total bescheuert bin. Schon am nächsten Morgen lache ich darüber. Auch die Aufregung ist, wenn überhaupt mal spürbar, sehr gedämpft. Das wird sich vermutlich am Castingtag deutlich ändern, aber bisher freue ich mich tatsächlich auf alles. Es ist neu, es ist spannend, und dass ich so selbstverständlich vorspielen will, wo ich doch im Juni noch gesagt habe: "Ich spiele nicht, ich bin noch in der Lernphase", ist für mich klasse. Egal wie das Casting ausgeht, diesen Spaß am Puppenspielen werde ich behalten. Schon jetzt komme ich also mit persönlichem Gewinn aus der Sache.

In der Woche muss ich an einem Tag 200 km nach Münster fahren und frühstücke im nah gelegenen, sehr hübschen Telgte. Ich sitze im Außenbereich vor einem Café, es nieselt leicht herbstlich, auch wenn es nicht kalt ist, über mir ist ein großer Marktschirm aufgespannt, der Tee dampft und ich schreibe endlich das Weihnachtsgedicht fertig, das noch zur Weihnachts-Illustration fehlte.   

Alleine in einem Café zu sitzen und an einem Manuskript oder einer Geschichte zu schreiben, erweist sich bei mir inzwischen als sehr produktiv. Ich hätte meine Puppen mitnehmen und im Café vor mich hin spielen sollen, dann hätte ich jetzt vermutlich alle Spiel-Details drauf. Vielleicht wäre ich sogar fest engagiert worden. Als Frühstücks-Café-Unterhalterin. Oder ich wäre gebeten worden, den Tee schleunigst zu leeren und dann unverzüglich zu gehen. Banausen!

 

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