Blog 384 - 06.09.2015 - Tiefgarage und Tanzbrunnen

Mein Kalender braucht Zusatzzettel, weil nicht alle Termine in die schmalen Spalten passen. Es ist Kulturzeit in Erftstadt mit vielen interessanten Veranstaltungen, außerdem gibt es auch noch ein Open Air Konzert, einen Familiengeburtstag und zwei Stadtbesuche. Kleve finde ich gut, in Krefeld gefällt mir am besten das Willkommensschild an einer Tiefgarage. Ich denke mir, wie herzlich man begrüßt wird, wenn man nur in eine Tiefgarage fährt und was für ein Unterschied das zum Empfang mancher Flüchtlinge in einigen Orten ist.

Zum Glück funktioniert das mit den Flüchtlingen in meiner Umgebung dank vieler freiwilliger Helfer sehr gut. Ich merke aber, wie mich erschreckt, was für Sprüche bei Facebook abgehen und wie viel Dummheit und rechter Müll in viel zu vielen Köpfen stecken. Die sollten sich alle mal ein Beispiel an der Tiefgarage nehmen.

Mein neuer Bauchredner ist fertig und funktioniert. Damit ist meine letzte Ausrede weg. Wenn er sich nämlich nicht gut bewegen ließe, könnte ich sagen, dass ich mich damit leider doch nicht für eine Puppenshow bewerben kann, für die es momentan Aufrufe in der "Puppenszene" gibt. Aber er funktioniert ziemlich gut. Obwohl mein Kopf zögerlich sagt: "Nein, lass es mal lieber, da stehst du dann zwischen supertollen Profis und bist dir vielleicht selber peinlich!", spüre ich das Grinsen in meinen Mundwinkeln. Ich möchte doch gerne spielen. Wann, wenn nicht jetzt? Ich habe keinen Druck, bis in das Finale kommen zu müssen, ich möchte nur mit Spaß und Begeisterung eine anständige Drei-Minuten-Nummer spielen und damit das Casting schaffen. Neue Eindrücke, Kontakte und Anregungen, die hinter den Kulissen einer solchen Veranstaltung warten, sind der Zusatzgewinn. Ob das die richtige Entscheidung ist, werde ich später erst sagen können, aber sie macht das Leben gerade sehr spannend. 

Bei der Erftstädter Kulturzeit besuche ich einen sehr schönen Stadtfernsehen-Abend mit dem Songrise Chor aus Erftstadt, interessanten Interviewgästen zu einem Indien-Hilfsprojekt und zu Tatort-Drehorten in Erftstadt und mit Anne Haigis, die zusammen mit Ina Boo Musik macht. Es ist ein kleiner, aber feiner Abend, der als Livestream im Internet-Fernsehen muxx.tv übertragen wird. Ich freue mich jetzt schon sehr auf Donnerstag, an dem ich mit Purple Schulz an dieser Stelle zu Gast bin. Zum Glück muss ich nicht singen. Die Aufzeichnungen der Stadtfernsehen-Abende sind auch nach der Live-Sendung noch auf der muxx-Seite anzusehen.

Am Samstagabend sind die Wise Guys im Tanzbrunnen, stellen die neue CD vor und singen zwischendurch auch ältere Lieder. Das Wetter ist kühl und während der ersten Konzerthälfte gibt es kleine Wolkenbrüche. Mit einer Regenjacke stehe ich mitten in vielen, dicken, platschenden Tropfen und merke, wie die Nässe an der Jeans hochsteigt und die Finger eiskalt werden. Zum Glück wird es nach der Pause trocken und wunderbarerweise bleibt die Stimmung am Tanzbrunnen durchgehend klasse.

Meine eigene Stimmung ist lächelnd-sentimental. Ich treffe dort immer viele Leute, die ich gut kenne und erinnere mich an die mehr als aufregende Stimmung der ersten Tanzbrunnenkonzerte. Alles war neu, groß, spannend. Im Backstagebereich gibt es Gespräche "Hast du nicht damals den Ikea-Clip gemacht?", "Die Rockhouse Brothers waren mal die Vorgruppe." und "Weißt du noch, als Dän beim Soundcheck die Polle geschluckt hatte und das ganze Konzert abgesagt werden musste?" In mir kommt ein intensives Früher-Gefühl hoch und ich genieße es. So viele vertraute Leute, eine vertraute Zeit, so viel Zeit, die ich damals mit vertrauten Leuten verbracht habe. Auch wenn ich jetzt in anderen Bereichen unterwegs und kreativ bin, ist es doch schön, so leicht und fast nahtlos wieder einzutauchen.

Für die regelmäßigen Leser: Während die Sommer-Himbeeren nur noch grüne Blätter bieten, wachsen an den Herbst-Himbeeren immer noch leckere Früchte. Für die Jahreszeit ist das alles perfekt und vorbildlich. Geht doch.