Blog 382 - 23.08.2015 - Bauchredner und Buchsbaum in Arbeit

Kaum ist mein neuer Bauchrednerpuppenkopf aus Schaumstoff fertig geschnippelt, fällt mir auf, dass ich ihn aus spieltechnischen Gründen lieber etwas kleiner haben möchte. Also schnippel ich einen zweiten Kopf. Hätte ich auch mal früher überlegen können.

Im Bochumer Baukurs hätte ich die komplette Figur in höchstens zwei Tagen fertig gehabt, zuhause kann ich nicht dran bleiben. Ständig muss ich etwas anderes machen oder bin sogar unterwegs. Es ist schon ein Unterschied, ob ich zehn, zwölf oder auch vierzehn Stunden vor mich hin werkeln kann, oder mir Zuhause mal zwei oder drei Stunden nehme. Viel mehr ist gerade nicht drin. Immerhin hat der kleine Mann schon Schläuche, Löcher und eine Zugfeder eingebaut, da wird es wohl nicht mehr lange dauern, bis er auch sprechen kann. 

In meinem Garten entdecke ich zu meinem Entsetzen, dass der Buchsbaumzünsler Einzug gehalten hat. Obwohl er regional gesehen immer näher kam, hatte ich optimistisch gehofft, dass er weiterhin andere Gegenden kahl frisst, aber meinen Garten einfach übersieht. Und jetzt ist er da! Ach, herrje, mein schöner Buchsbaum! Da das eine der wenigen Pflanzen ist, die mit der trockenen Hanglage gut auskommen, habe ich inzwischen sehr viel davon. Teilweise ist er groß und buschig und manchmal auch zu Spiralen geschnitten. Ich mag ihn wirklich sehr.

Als erste Hilfe besorge ich mir ein Spritzmittel aus dem Gartencenter. Das ist biologisch und bienenfreundlich, aber trotzdem sehr giftig, wie der Verkäufer betont. Bisher habe ich Spritzmittel in meinem Garten immer vermieden und die Kirschen lieber den Würmern überlassen, aber der Zünsler geht erst weg, wenn kein Buchsbaum mehr da ist. Das will ich nicht einfach hinnehmen und so versuche ich zumindest gegen ihn zu kämpfen. Anstatt also weiter an meiner Puppe zu bauen, gehe ich in Schutzkleidung durch den Garten und sprühe mit einer Hochdruckpumpe sorgfältig jedes einzelne Buchsbaumästchen an. Hört sich einfacher an als es ist und liest sich nicht so komisch wie ich aussehe.

Nur so viel: Die Sommersonne scheint, ich bewege mich langsam, weil die viele Kleidung und die zu großen Gummistiefel die Flexibilität einschränken, außerdem quietsche ich, weil die Gummibeschichtung aneinander reibt, ich atme auffällig laut durch die Maske und die Schutzbrille beschlägt durch meine Atemluft sofort. Könnte ein Hollywood-Film werden: Der Ikea-Darth-Vader ist unterwegs. Schon nach einer halben Stunde wird die Schutzkleidung zum Saunaanzug, in dem es gefühlte 60 Grad heiß und entsprechend verschwitzt ist. Brille und Schutzmaske sind schon nach zehn Minuten weg, weil ich weder halb erstickt noch halb blind arbeiten kann. Na super.

Ich schätze vorher, dass ich etwa dreißig Buchsbaumpflanzen in verschiedenen Größen habe. Als ich nach zweieinhalb Stunden Schädlingsbehandlung mal nachzähle, komme ich auf fast hundert Pflanzen. Nur wenige erst 20 cm hoch, die meisten zwischen 30 und 60 cm hoch und einige bis zu einem Meter breit und 1,50 Meter hoch. Das Blöde ist, dass ich trotz sorgfältiger Besprüharbeit keine Ahnung habe, ob das Mittel hilft und ob hinter der nächsten Ecke nicht schon der nächste Zünsler auf meine grünen Buchsbäume lauert.

Ohne Schutzanzug geht es zur Pressekonferenz der Erftstädter Kulturzeit. Es wird im September 32 Veranstaltungen an 11 Tagen geben, und mir gefällt, dass es hier so viele sehr engagierte Kunst- und Kultur-Leute gibt. Es wird vereinsübergreifend gearbeitet und wirkt nicht wie eine Konkurrenz der verschiedenen Sparten, sondern wie ein gemeinsames Interesse an kulturellen Veranstaltungen aller Art, egal, ob Mundart, politische Diskussion, Ausstellung, Jazzkonzert oder Lesung. 

Ich freue mich sehr, dass ich an einem Abend zum Thema "Künstlerfreundschaft" mit Purple Schulz eingeladen bin. Mal sehen, über was wir da reden werden. Hoffentlich nicht über die vielen Konzertmitschnitte, die ich ihm immer noch nicht fertig gemacht habe.