Blog 318 - 01.06.2014 - Zeitreise und bunte Lampions

Zeitreise zurück. Gar nicht so weit, nur einige Jahre, aber beim Raussuchen eines Wise Guys Clips fallen mir viele andere Clips und Outakes in die Hände und ich lächel beim Angucken ganz sentimental. Bei manchen Aufnahmen erinnere ich mich bis ins Detail an die Umstände und die Stimmung, andere hatte ich ganz vergessen und denke jetzt: "Ach, jaaaa, das gab es ja auch noch." Von 2001 bis etwa 2010 habe ich sehr viel bei den Wise Guys gefilmt, und vermutlich könnte ich tagelang Material durchgucken und wär noch immer nicht durch. Die Clips und kleinen Szenen wurden meist spontan und mit sehr wenig Zeit gefilmt, aber bei aller Unperfektion sind doch ein paar witzige Sachen rausgekommen. Vermutlich gerade WEGEN der Unperfektion. Ich mag diese kleinen Videos sehr, in denen viel Herz und Liebe steckt, und die ihren ganz eigenen Charme haben.

Der erste "Sommer"-Clip ist inzwischen unglaubliche 13 Jahre alt. Was waren die Jahre für eine spannende Zeit mit dem steigenden Erfolg, immer größeren Konzert-Orten, viel Gelächter und einigen ziemlich verrückten Sachen. Jetzt sehe ich die Videos von früher, lache viel und bin ganz gerührt. Schön, dass ich das erlebt habe! Es passt zu meiner Stimmung, dass ich gerade jetzt die Wise Guys kurz im Studio besuche, wo sie ihre neue CD aufnehmen. Mit ihnen bei den Aufnahmen zu sitzen und zu hören, wie eine Stimme eingesungen wird, ist eine völlig vertraute Situation. Ich bin sofort wieder drin und fühle mich ganz familiär und aufgehoben.

Es ist ein bisschen wie mit Freunden aus der Jugendzeit, die man nicht mehr so oft sieht, aber wenn, dann ohne eine Distanz zu spüren oder zu fremdeln. Nils und Andrea sind inzwischen natürlich echte Wise Guys und Teil der Gruppe, aber ich vermisse ein wenig Clemens und Ferenc, die zu "meiner" Zeit immer dabei waren. Wenn sie einfach zur Tür herein kämen und die Wise Guys jetzt zu siebt wären, würde ich mich nicht mal wundern.

Zuhause beschließe ich, dass ich das "Cover me" Konzert vom letzten November jetzt unbedingt fertig schneiden will. Das erste Drittel ist schon länger gemacht, aber wegen Garten und Terminen und Theaterstück und überhaupt habe ich seit Wochen nicht weiter gemacht. Damit ich jetzt mal voran komme, gebe ich mir für jeden Tag mindestens 30 Minuten Arbeitszeit vor. Bei 60 Minuten Videoschneiden bekomme ich ein Fleißkärtchen. Keine Ahnung, was das sein soll, aber da fällt mir noch was ein. Hauptsache, ich habe ein Auge auf mich und bleibe dran.

Auch hier ist eine Zeit, die mir sehr wichtig war, vorbei, denn auch wenn es Cover me weiter geben wird, wird es ohne Dirk Bach ganz anders sein. Ich bin so froh, dass ich viele Jahre dabei war, dass ich ihn kennenlernen durfte und dass es jetzt die alten Aufnahmen gibt. Dieses letzte Konzert war ganz ihm gewidmet, und wenn es auf den Video-Aufnahmen berührend wird, wenn ich sehe, wie jemand mit den Tränen kämpft, heule ich sofort mit. Es ist nicht so, dass die Arbeit dadurch traurig und zu schwer würde, ich kann das eben nur nicht unbeteiligt und ohne Emotionen hinnehmen, dazu war die Cover me-Stimmung zu schön und ich hatte Dirk viel zu gern. Am Ende jeder Schneidephase habe ich rote Augen, viel Liebe im Herzen und lächel.

Auch alles, was vorüber ist, hat mich geprägt und bleibt ein Teil von mir. Inzwischen genieße ich viel bewusster, was ich erlebe, weil ich weiß, dass schon am nächsten Tag alles anders sein kann. Und so bin ich am Ende der Woche auf einer sommerlichen Gartenparty in einem wunderschönen Kölner Hinterhof, treffe viele Leute, die ich aus den vergangenen Jahren kenne, lerne sehr interessante neue Leute kennen und genieße den Abend. Viele Gäste sind Schauspieler, Musiker, Regisseure oder haben weitgehend damit zu tun. Dazwischen gestreut sind Nachbarn und Familienmitglieder, darüber leuchten bunte Lampions und es wird stundenlang geplaudert, erzählt, gelacht. Ein ganz entspannter, familiärer und doch äußerst inspirierender Abend.