Blog 381 - 16.08.2015 - Gestrandete Piraten und neue Puppen

Ich habe es befürchtet: Nach den zehn Tagen beim Puppenbau kann ich nicht sofort zu meinen Kinderbuch-Piraten zurückkehren. Ich liebe sie wirklich, die verschrobenen, netten Typen, die zum größten Teil keine Piraten-Gene haben, aber ich muss sie jetzt erstmal sitzen lassen. Auf ihrer Insel weiß ich sie gut aufgehoben. Sie haben ein Fass mit Fisch und eins mit Schiffszwieback dabei und werden damit lange auskommen. Ganz bestimmt wird in den nächsten Wochen und Monaten ein schönes Kinderbuch mit ihnen entstehen, aber im Moment stehen die Puppen ganz vorne. Beides gleichzeitig und mit voller Energie zu machen, ist schwierig und unnötig.

Zunächst möchte ich meine Bauchrednerpuppe nochmal bauen. Jetzt kenne ich die Technik und möchte den neu geschnitzten Kopf möglichst gut auf seine spätere Funktion hin vorbereiten. Wenn alles klappt, wird er noch leichtgängiger als die im Kurs gebaute Puppe sein. Es fliegen also wieder die Schaumstoffschnipsel.

Außerdem gehe ich shoppen. Im Baumarkt und im Elektronikladen, wo ich Schrumpfschlauch, Zugfedern, Carbonstäbe, Minibohrer und allerlei Kleinkram hole. Wenn ich alles jetzt griffbereit bei meinen Bausachen unterbringe, werde ich fast ideale Baubedingungen haben. Abgesehen von der Werkstatt, die mir immer noch fehlt. Demnächst werde ich während des Bauens freudig sagen können: "Jetzt brauche ich eine Zugfeder. Oha, die habe ich!! ... Aber wo? Mist! Wo hab ich die denn hingeräumt? ... Menno! Ich weiß doch ganz genau, dass ich die habe! Aber in welcher Schachtel liegt sie??"

Neben den Gedanken, die ich mir jetzt schon manchmal über einen Puppen-Inszenierungskurs im nächsten Jahr mache - Was möchte ich überhaupt inszenieren? Welche Puppen muss ich dafür bauen? Wie kann ich Szenen mit vier Puppen auf zwei Spielhände reduzieren? - steht unerwartet und plötzlich eine kurzfristige Möglichkeit zum Puppenspielen im Raum. Meine erste Reaktion ist: "Nein, Ich bin noch nicht so weit! Ich muss erst noch besser spielen können."

Dann denke ich an einen Abend vor einigen Wochen, als ich spontan einige Sätze mit einer Puppe spielte und nach der kurzen Szene lachende Augen sah und mir zwei Herren freudig applaudierten, denen ich kurz vorher noch applaudiert hatte, als sie auf der Bühne standen. In diesem Moment war mir klar, dass ich Spaß am Spielen habe und unbedingt mehr machen möchte. Aber jetzt sofort? Ich hatte da an einen späteren Termin gedacht.

Noch muss ich keine Entscheidung treffen, darum baue ich erstmal an meinem zweiten Bauchredner und lasse die Gedanken kreisen. Es gibt kein MUSS. Es gibt nur WOLLEN. Und idealerweise KÖNNEN. Ich bin selber gespannt, wie ich mich demnächst entscheiden werde. Aber ist es nicht wunderbar, dass mein früher Wunsch "Ich will mal Puppenspielerin werden" plötzlich so nah gekommen ist?