Blog 378 - 26.07.2015 - Feste Vorsätze und Parallelen

Bei den Piraten geht es locker weiter. Ich bin wieder angekommen auf der Insel und begleite die sehr verschiedenen Charaktere bei ihren diversen Ausbrüchen. Nebenbei beobachte ich, dass der Text doch ganz schön lang wird. Aber erstmal schreiben, dann überarbeiten und dann überlegen, wie viele Seiten es werden und wie ich es mit den Illustrationen mache. Kaum sind wichtige Konfrontationen geschehen, habe ich Außentermine, klappe den Laptop zu und verlasse die Insel. Wie gut, dass ich das sehr gelassen nehme und nicht mal genervt bin.

Wenn es allerdings so weiter geht, werde ich das Buch nicht mehr in diesem Jahr fertig bekommen. Aber ich habe eine verständnisvolle Verlagsleiterin (mich), die findet, dass nicht in Stress und Eile am Buch geschludert werden darf, sondern lieber der Termin nach hinten rutschen soll. Aber mal sehen. Noch ist alles offen und das Buch vielleicht bis Weihnachten fertig.

In der letzten Woche habe ich mir während des langen Wartens für eine TV-Aufzeichnung gesagt, dass ich das nicht nochmal machen werde. Da passt es gut, dass ich das Angebot bekomme, in dieser Woche erneut zur Aufzeichnung zu kommen. Nach kurzem Überlegen werfe ich meinen Nicht-nochmal-Vorsatz leichtfertig weg und fahre hin.

Diesmal ist einiges anders. Es ist nicht so heiß wie in der letzten Woche, es gibt kleine Snacks, und ich sitze in der Zeit vor der ersten Aufzeichnung auf der Treppe, habe einen Notizblock dabei und plane, was ich beim nächsten Klappmaul-Puppen-Kurs bauen werde. Sinnvoll genutzte Zeit im Foyer eines Fernsehstudios. Konzentriert schreibe ich Ideen auf, skizziere Puppen und notiere eine Packliste, auf der "Cutterklingen, Zahnknetgummi, Fotoapparat, Schlafanzug ..." stehen. Der Kurs beginnt in einer Woche, wird wunderbar lange neun Tage dauern, und die gute Vorplanung ist wichtig, damit ich alle benötigten Sachen dabei habe.

Nicht nur die Wartezeit ist besser genutzt, auch die beiden Aufzeichnungen sind besser als die der letzten Woche. Diesmal sind die Gäste Sonya Kraus, Christoph Maria Herbst, Panagiota Petridou und Nelson Müller. Vier Leute, die sich gut unterhalten, aber auch gut zuhören können. Mit Lars Reichow als Gastgeber ergibt das kurzweilige und ausgewogene Gespräche, die oft sehr witzig sind. Es wird deutlich länger aufgezeichnet als später gebraucht wird. Da wird es schwer fallen zu kürzen, weil so viele gute Sachen dabei sind.

Dass ich auch endlich mal eine sehr nette Mailpartnerin persönlich treffe, freut mich ganz besonders. Vor allem, weil sie wirklich so nett und unkompliziert ist. Und weil es diesmal ein kleines Bändchen ums Handgelenk gibt, bleibe ich nach der Aufzeichnung noch etwas länger. Es ist eine warme Sommernacht und nach den gelungenen Aufzeichnungen ist alles ganz entspannt.

Wir sitzen draußen, nebenan leuchtet am dunklen Himmel der IKEA-Schriftzug und erinnert mich daran, dass ich dort vor sechs Jahren den Mittsommer-Clip mit den Wise Guys gedreht habe. Ich proste dem Schriftzug zu und zwinker vertraulich mit dem Auge. Und ich freue mich, dass ich doch nochmal zur Aufzeichnung gegangen bin. Es lohnt sich, feste Vorsätze umzuwerfen. Diesmal ist es etwas später, als ich die Studios wieder verlasse.

Gleich am nächsten Tag geht es früh raus, am Abend ist eine längere Arbeitsbesprechung - netterweise in einem Biergarten - und als ich am nächsten Morgen überlege, ob ich jetzt weiter an den Piraten schreiben oder mit der Schere durch meinen Garten wandern soll, entscheide ich mich für den Garten. Das Leben genießen und zwischen all den Terminen bloß keinen Stress machen, ist die Devise. Außerdem ist das Unkraut überraschend hoch gewachsen.

Am Samstagnachmittag gibt es eine kleine Party bei einem der Herren, die beim IKEA-Clip dabei waren, und am Abend möchte ich zu einem Purple Schulz-Konzert gehen. Das findet - wie die Arbeitsbesprechung - in einem Biergarten statt. Es gibt schon erstaunliche Annäherungen und Parallelen im Leben. Dass ich in dieser Woche Zuschauer bei einer Fernsehaufzeichnung war und den Gästen zugesehen habe, und im September zusammen mit Purple selber als Gast vor einer Kamera stehen werde, wenn auch nicht beim ZDF, sondern bei einer abendlichen Veranstaltung zur örtlichen Kulturwoche, ist da nur logisch.

Dass das Purplekonzert wegen einer Sturmwarnung kurzfristig verschoben wird, ist Pech. Schön ist, dass ich stattdessen die Party nicht frühzeitig verlassen muss. Dass ich mich am Konzert-Ersatztermin noch beim Puppen-Bau-Kurs befinden werde, ist ein Problem. Mal sehen, wie ich das löse.