Blog 376 - 12.07.2015 - Kopfnähte und Hängematten

Puppe bauen ist angesagt. Den Körper mit Stoff überziehen, die Hände nähen, Augenlider schneiden - ich sitze nähend und klebend am Tisch, der fast wie ein OP-Tisch wirkt. Offene Kopfnähte zu schließen, finde ich immer ein wenig gruselig, denn der Kopf hat dann schon eine sehr menschliche Form und ich weiß ja, dass ich keine Betäubung gegeben habe. Vermutlich ist das für die Puppe gar nicht so schlimm; sie verzieht jedenfalls keine Miene, wenn ich zusteche. Aber sie hat ja auch einen Kopfinhalt aus Schaumstoff und kommt damit erstaunlich gut und manchmal sehr lebendig zurecht.

Ursprünglich hatte ich vor, in diesem Sommer eine Klappmaulpuppe zu bauen. Nur für mich, einfach zum Spaß. Weil ich aber so spät mit der Piratengeschichte angefangen habe, wollte ich nicht sofort wieder unterbrechen und habe schon auf meine Bauzeit verzichten wollen. Wie schön, dass ich jetzt durch die Anfrage doch zum Bauen komme. In diesem Fall behalte ich die Puppe zwar nicht, aber das Bauen macht Spaß und es fühlt sich alles richtig an. Als draußen auf der Leine ein minikleines Hemd, frisch schwarz gefärbt, im Wind trocknet, lächel ich sehr vergnügt.

Zwischendrin schreibe ich sogar an der Piratengeschichte weiter und lasse die Piraten, die immer noch an ihrem ersten Abend auf der Insel sitzen, endlich schlafen gehen. Milieugerecht in Hängematten, wobei einer schnarcht, der andere nicht mit dem gemeinen Volk zusammen liegen will und es sogar einen Diebstahlversuch gibt. Es ist schon interessant, wie frei ich die eigentlich fertige Theatergeschichte ausbaue und ganz neue Szenen schreibe. Trotzdem soll die Buchgeschichte am Ende kürzer als das Theaterstück sein, weil ich auf überflüssigen Kram verzichten will. Ob das so klappt, oder ob ich am Ende mit 120 Romanseiten da stehe, weiß ich noch nicht.

Ansonsten krame ich herum, bin unterwegs, gieße den Garten und esse Himbeeren. Tatsächlich. Sommer- und Herbsthimbeeren, außerdem rote, weiße und schwarze Johannisbeeren, hin und wieder noch eine Erdbeere und demnächst hoffentlich Zucchini, Tomaten und Rote Beete. In der nächsten Woche wird die Klappmaulpuppe fertig sein und dann können meine Piraten endlich mit mir auf Schatzsuche gehen. Und Frau Pieper wird ihren Schülerinnen klar machen, dass eine Dame der Gesellschaft alle Benimm-Regeln kennen, sich aber keinesfalls daran halten muss.