Blog 375 - 05.07.2015 - Hitzewelle und Sofaszenen

Hitzewelle. An einigen Tagen ist es bis über 35 Grad heiß und ich lasse die Kinderbuch-Piraten weiter untätig unter den Palmen sitzen. Ist bestimmt besser, als sie bei diesen tropischen Temperaturen auf Schatzsuche zu schicken. Stattdessen tippe ich einen Bericht über das Konzert von Gregor Meyle und Purple Schulz. (www.reihedrei.de) Auch der dauert etwas länger als sonst, weil es so heiß ist. Meine Hirnzellen chillen, blinzeln entspannt unter ihren Rastalocken hervor und winken lässig: "Mach mal langsam!" Mach ich dann auch. Es ist aber schön, das Konzert beim Schreiben noch einmal zu erleben. Einige Liedzeilen singe ich die ganze Woche über immer wieder leise vor mich hin. Hach, war das schön!

Die bestellte Klappmaulpuppe möchte ich gerne zügig fertig bauen, weil der Auftraggeber sie schnell braucht und ich danach konzentriert an meinem Buch weiterschreiben kann. Ich weiß aber nicht, ob meine erste Puppenkopf-Version schon gefällt. Vielleicht müsste ich den Kopf noch ausgeprägter bauen - oder doch ganz reduziert und kugelrund? Um das zu klären, und ehe ich viel Energie in eine später verworfene Ausführung stecke, zeige ich die Puppe im derzeitigen Bauzustand vor. Es geht nur um das Gesicht, der Rest ist notdürftig zusammengesteckt, um zu zeigen, wo es später hingehen kann. 

Der Auftraggeber wirft einen Blick auf die Puppe, erkennt sich sofort selbst und lacht begeistert los. Fast schon hysterisch. Oh, wie schön! Als er sie auf die Hand nimmt und kurz mit ihr spielt, ist es der Hammer, denn sobald sie auch noch seine Stimme bekommt, wird sie zu einer kleineren Ausgabe von ihm. Hört sich etwas schizophren an, ist es auch. Aber es heißt auch, dass der Kopf stimmt und nur noch im Detail bearbeitet werden muss.

Die Arbeit ist allerdings noch langwierig, denn Augenlider, Ohren, Körper, Arme und Hände fehlen komplett. Ich beginne mit dem Schnippeln von Armen und Händen. Wenn es nur nicht so heiß wäre! Bei diesem Wetter macht der Schaumstoff keinen Spaß, aber noch weniger Lust habe ich, den Fleecestoff mit der Hand zu nähen. Da kann ich nur hoffen, dass es in der nächsten Woche deutlich kühler wird.

Am Samstag gibt es einen kleinen Workshop mit Mark Britton unter dem Titel "Theater spielen". Zum Glück in einem kühlen Kellerraum, denn unter freiem Himmel wäre es kaum auszuhalten. Wir rufen Namen, werfen Bälle und versuchen danach, uns die Spielangebote in kleinen Szenen ebenso bewusst und locker zuzuwerfen wie vorher den Ball. Wer übernimmt das Spiel, wer wartet ab, wie werden Dialoge spielerisch hin und her geworfen. Es reicht nicht den Text zu können, das Miteinander-Spielen ist das Wichtige.

Es macht großen Spaß, der temperamentvolle Mark treibt uns durch die Übungen und wir lachen viel. Wieder einmal erlebe ich anschaulich, wie Szenen durch kleine Veränderungen deutlich besser gemacht werden. Es macht einen Riesenunterschied, ob jemand vor oder hinter ein Sofa fällt. Hätte ich vorher gar nicht gedacht. Sollte ich mir aber merken, wenn ich mal irgendwo die Stimmung auflockern möchte.