Blog 374 - 28.06.2015 - Eingefrorene Piraten, Purple & Gregor

Die Piraten sind auf der Goldinsel und der Käptn möchte sie auf Schatzsuche schicken. Ich muss mich beim Schreiben konzentrieren, denn die Reihenfolge ist etwas anders als im Theaterstück. Das, was auf der Bühne das Frühstück war, ist jetzt das Abendessen. Geschmacklich bleibt es aber gleich, dafür sorgt schon der Koch. Ich bin gut im Schreiben drin, habe viel Energie und finde es spannend, da unterbreche ich in der Mitte der Woche und stelle den Laptop weg. Ich weiß, dass ich am Wochenende unterwegs sein werde und möchte vorher unbedingt schon mal an die bestellte Klappmaulpuppe gehen.

Die Piraten frieren in ihren momentanen Positionen ein, stattdessen hole ich meinen Schaumstoffblock und schnitze endlich mal wieder einen Kopf. Penetrante, winzige Schaumstoffschnipsel verteilen sich in der Wohnung, - erstaunlicherweise liegen sie auch da, wo ich mich gar nicht aufhalte -, die Schere klappert und es riecht nach Kleber. Es ist schon schade, dass ich das Schreiben mitten im Prozess stoppe, aber ich kann nicht behaupten, dass mir das Bauen einer Klappmaulpuppe schlechte Laune macht. Im Gegenteil.

Allerdings habe ich keinen Plan, wie ähnlich ich die Puppe dem Vorbild machen möchte. Wenn es zu echt wird, sieht es meistens gruselig aus, weil die Puppe mit ihren starren Augen auch immer ein bisschen tot wirkt. Außerdem verblasst die naturgetreue Ähnlichkeit, sobald das Original gleich daneben steht. Wenn nur einige Hauptmerkmale wie Frisur und Kleidung passen, der Kopf aber einfach kugelrund bleibt, kann das auch seinen Reiz haben. Ich entscheide mich erstmal für eine Variante in der Mitte. Nicht lebensgetreu, aber auch kein runder Fußballkopf. Jetzt noch Haare und Augenlider provisorisch feststecken, einige Schattierungen malen und dann mit dem Auftraggeber sehen, ob ich schon auf dem richtigen Weg bin oder es doch ganz anders wird.    

An einem Abend geht es nach Köln, wo Ansgar, der im letzten Jahr im Krimi-Live-Hörspiel mitgemacht hat, in seinem eigenen Stück "Nackt" auf der Bühne steht. Also nicht nackt auf der Bühne steht, das Stück heißt "Nackt" und er steht auf der Bühne. Außer ihm spielen noch Volker und Nora aus dem Hörspiel mit, und da unter den Zuschauern Mirco und ich sind, die ebenfalls beim Hörspiel dabei waren, bedeutet es, dass an diesem Abend die halbe Hörspielbesetzung im Theater ist. Es gibt trotz unserer Anwesenheit aber keine Mordopfer, dafür ein schönes, kurzweiliges Stück.  

Gleich am nächsten Morgen geht es nach Speyer. Purple Schulz und Gregor Meyle spielen in einem Flugzeughangar des Technikmuseums, und auch wenn sie nacheinander auf der Bühne stehen, finde ich das großartig. Purple und Gregor, was für eine perfekt für mich gemachte Kombination! Es ist nicht verwunderlich, dass beide eine sehr ähnliche Bühnendekoration mit verblichenem Orient-Teppich und altmodischen Schirm-Tischlampen haben. Sie machen auch beide mit Leidenschaft Musik und sind sich in ihrer bodenständigen, herzlichen und liebevollen Art sehr ähnlich. 

Der Konzertabend ist toll. Erst Purple mit Schrader, dann Gregor mit Band, und als Extra auch noch ein Lied mit Purple und Gregor und Band. Insgesamt stehe ich mehr als sechs Stunden herum, bin vorher schon bei strahlendem Sonnenschein und gefühlt tropischen Temperaturen durch Speyer gelaufen, und bin bei Konzertende dementsprechend müde, aber immer noch sehr gut gelaunt. Die Nacht ist lustig und kurz, und am nächsten Morgen beim Hotelfrühstück kann ich nur sagen: "Das Wochenende hat sich gelohnt!"