Blog 372 - 14.06.2015 - Gregor Meyle und Eintauchen in die Piratenwelt

Gregor Meyle ist im Kölner Gloria, und ich bin unerwartet so früh da, beziehungsweise die anderen Besucher kommen so spät, dass ich in der ersten Reihe stehe. Das ist bei mir ja ausgesprochen selten, bei einem Stehkonzert aber nicht das Schlechteste. Vermutlich liegt alles daran, dass ich auf meinem Ticket die sensationelle Nummer 1 stehen habe. 

Der Sound ist unmittelbar vor der Bühne naturgemäß nicht optimal, von rechts haut mir dazu das Schlagzeug ins Ohr, aber es ist an diesem Abend schon passend, so nah dran zu sein. Ich habe Ferien, das neue Buch steht gerade am Beginn der spannenden, britzelnden Schreibphase, ich bin ferienmäßig gut gelaunt und dazu gibt es noch Gregor und Band mit einem wunderbaren Konzert direkt vor mir. Es passt einfach alles an diesem Abend.

Nach dem Konzert kommt Gregor noch ins Foyer, lacht, als er mich sieht und grinst: "Erste Reihe - wie ein richtiger Groupie!". Er freut sich aber wirklich, dass ich schon wieder dabei bin. Dadurch, dass wir uns bei "Cover me" kennen gelernt haben und mehr über Kinder- und Kochbücher und als über Musik geredet haben, ist es anders, als wäre ich zuerst auf einem Konzert von ihm gewesen. Es hätte sein können, dass ich ihn zwar total nett und seine Stimme toll finde, nach dem ersten Konzert aber nicht wiederkomme, weil es mir nicht gefällt. Ist aber nicht so. Im Gegenteil. Es sind einfach wunderschöne Abende mit Herzblut-Musikern, Gregor und seiner großartigen Stimme.

Im Garten beginne ich mit der Vorarbeit zum Kinderbuch. Der Kater versucht zwar zum Hauptdarsteller zu werden, indem er sich sofort mitten auf das Manuskript legt, aber ich bleibe unbeirrt beim Piraten-Thema. Es ist ein komisches Gefühl, so intensiv an einer Geschichte zu arbeiten, die doch schon lange fertig ist. Vielleicht ist das mein Problem: Ein fertiges Produkt auseinanderzunehmen, dann so ähnlich wie vorher zusammenzusetzen und als neues Produkt vorzustellen. 

Zuerst einmal muss ich die Theaterbilder aus dem Kopf bekommen und mich von den Darstellern lösen. Die Personen im Buch werden zum Teil anders aussehen und anders reagieren als die auf der Bühne. Dass ich da eine ganz neue Freiheit habe, muss ich erstmal begreifen, um sie umsetzen zu können. Genauso wie mir plötzlich klar wird, dass ich nicht auf zwei Bühnenbilder - Hafen und Insel - festgelegt bin, sondern die Handlungsorte beliebig wechseln kann.

Wie gut, dass ich Anfang des Jahres den Dramaturgiekurs bei Bodo Schulte hatte. Der hilft mir jetzt, das Wesentliche der Geschichte zu erkennen und das Ziel im Blick zu halten. Es ist nicht so, dass ich dort das Schreiben neu gelernt habe, es ist eher wie ein Sicherheitskurs beim ADAC, den ich auch mal mitgemacht habe. Da konnte ich vorher schon Auto fahren, habe aber so viele Tipps für besondere Situationen mitbekommen, dass ich mich seitdem viel sicherer fühle und auch besser fahre. Außerdem kann ich jetzt plötzlich aus der Fahrbahn hochschießenden Wasserfontänen sofort ausweichen, was im täglichen Verkehr allerdings selten vorkommt.

Je mehr ich mich in die Vorarbeiten für die Piraten vertiefe, desto mehr Spaß macht es und desto großzügiger ändere ich für die Buchform. Allerdings gefallen mir viele Szenen und Sätze aus dem ursprünglichen Theaterstück sehr und ich möchte vieles davon auch ins Buch bringen. Am Ende der Woche kenne ich die Charaktere und auf mehreren großen Blättern ist der Ablauf der Geschichte in einzelnen Szenen notiert, damit ich keine wichtigen Aussagen und Handlungen vergesse. In der nächsten Woche kann es mit dem Schreiben losgehen. Nach der Vorarbeit sieht es aus, als würde es mit der Buchversion etwas werden.

Im Garten wachsen die Himbeeren. Sommer- und Herbst-Himbeeren. Die Herbst-Himbeeren reifen später, wenn der Himbeerkäfer schon durch ist und haben darum keine Maden. Hab ich im Internet gelesen. Die harte Wahrheit in meinem Garten ist:


Sommer-Himbeeren

Herbst-Himbeeren

Ja, es ist kompostreicher Boden, das Wetter ist perfekt und die jungen Pflanzen waren kräftig vorgetrieben, da können Herbst-Himbeeren schon mal früh sein. Sehr früh. Wenn ich Glück habe, zu früh für den Himbeerkäfer. Na ja.