Blog 364 - 19.04.2015 - Herbsthimbeeren und Hanni und Nanni

Es ist immer wieder erstaunlich, wie lange sich Renovieraktionen hinziehen können. Vier alte Fenster raus, vier neue Fenster rein - fertig - so war der Plan. Aber bis die Ränder wieder sauber verputzt sind dauert es, bei zwei Fenstern müssen sogar die kompletten Fensterbänke beigeputzt und erneuert werden, Übergänge müssen verfugt, neue Rolladenführungen eingebaut, Rolladengurte getauscht, Rollos angebracht werden ... und danach steht noch das komplette Entstauben und Streichen des Wohnzimmers an. Immerhin ist das andere Zimmer inzwischen fertig.

Im Garten ist auch an allen Ecken etwas zu tun. Ich freue ich mich, dass der brennnesselbewachsene Hügel weg ist und renne mehrfach am Tag raus, um die an der Stelle entstandene Beerenecke anzusehen. Nachdem ich im Internet gelesen hatte, dass die Herbst-Himbeeren madenfrei sind, weil sie erst blühen, wenn der Himbeerkäfer seine Eier schon in die Sommer-Himbeeren gelegt hat, gucke ich im nahe gelegenen Baumarkt/Gartencenter danach. Es gibt dort nur Sommer-Himbeeren, und auf meine Frage nach Herbst-Himbeeren bekomme ich vom Fachpersonal die Antwort: "Häh? Was?? Gibt es nicht." Als ich sage, dass sie madenfrei sein sollen, weil sie später blühen, schüttelt das Fachpersonal die Köpfe und erklärt: "Das ist Quatsch. Wenn es länger warm ist, haben die auch Maden", und: "Sie müssen nicht alles glauben, was Sie im Internet lesen." Immerhin bietet mir ein Fachpersonal gespielt freundlich, aber doch herablassend an: "Dann sagen Sie mal den Namen der Sorte!" "Ähm, einen Namen weiß ich jetzt nicht. Es gibt mehrere." "Na, ich kann ja nicht in der Baumschule anrufen, ohne eine Sorte zu nennen. Die lachen mich ja aus." "Ja dann. Vielen Dank auch."

Zum Glück haben andere Gartencenter in der Umgebung neben den Sommer-Himbeeren selbstverständlich auch verschiedene Sorten Herbst-Himbeeren im Programm. Als ich einige Tage später für die letzte freie Stelle in der Beerenecke auch noch zwei Josta-Pflanzen haben möchte - eine Züchtung aus schwarzen Johannis- und Stachelbeeren, die keine Dornen hat -  sehe ich im nahe gelegenen Gartencenter erwartungsgemäß, dass es dort zwar Johannis- und Stachelbeeren, aber keine Jostabeeren gibt. Ich frage lieber nicht extra nach, ehe sie mich dort für völlig durchgedreht halten. Josta- was? Gibt es nicht! - Stattdessen fahre zum Gartencenter in den Nachbarort und hole sie dort. 

Jetzt habe ich in meinem kleinen Beerengarten fünf Herbst-Himbeeren, zwei Jostabeeren, zwei weiße und zwei schwarze Johannisbeeren, die jeden Tag kräftig wachsen. Ich sehe genau vor mir, wie ich in den nächsten Jahren kiloweise Beeren ernten werde und ständig frage: "Möchte jemand Johannis- oder Jostabeeren? Die sind lecker und auch nur ein bisschen sauer. Nein, ich brauche selber gar nicht so viel. Nein, Marmelade möchte ich auch nicht daraus kochen. Und Himbeeren? Was ist mit Himbeeren? Ich weiß gar nicht, wohin damit. Ich kann doch nicht jeden Tag drei Kilo Himbeeren frisch vom Busch essen!" Noch blöder wäre allerdings, wenn ich sagen würde: "Es sind schon wieder Maden in den Herbst-Himbeeren. Ich sollte nicht alles glauben, was im Internet steht!"  

Im Haus renovieren, im Garten werkeln, zu Lesungen fahren - wo bleibt die Zeit für das neue Kinderbuch? Ganz abgesehen von einem Krimi-Hörspiel, neuen Klappmaulpuppen und einem Puppenstück? Es ist ja nicht so, dass ich keine Lust darauf hätte, aber der andere Kram verbaut mir einfach den Kopf und muss vorher erledigt sein. Ich hoffe mal fest auf den Mai und dass ich ab dann viel Zeit schreibend im Garten verbringen kann. Und wer weiß, wozu die Verzögerung gut ist. Ich merke, dass sich die Piratengeschichte in meinem Kopf gerade etwas verändert und deutliche Unterschiede zur ursprünglichen Fassung bekommt. Vielleicht brauchen meine Hirnzellen noch etwas Zeit, um sich zu entscheiden, was sie wirklich wollen und sind ganz froh, dass ich noch mit Renovierarbeiten beschäftigt bin.

Zumindest schaffe ich es, mich bei wunderbarem Frühlingswetter in den Garten zu setzen und viele Kinderbücher durchzusehen, um passende Stellen für meine Lesung zu finden. In der nächsten Woche startet die örtliche Lesewoche, in der es 16 Lesungen zum Thema "Wege der Freundschaft" geben wird. Der Eintritt ist immer frei, die Leseorte sind ganz verschieden, und ich lese am nächsten Sonntag, unmittelbar vor der Abschlussveranstaltung. Es soll bei mir um Freundschaften aus Kinderbüchern gehen. Es wird etwa 50 Minuten lang eine wilde Mischung geben aus Old Shatterhand und Winnetou, über Hanni und Nanni, fünf Freunde, bis hin zu Pu, der Bär. Damit stehen in der nächsten Woche auch noch einige Lesedurchläufe mit Kürzungen, Umstellungen und immer wieder neuen, zeitgestoppten Varianten an. Darauf freue ich mich richtig.