Blog 320 - 15.06.2014 - Mit Gregor durch den Westerwald

Die Lieder von Gregor Meyle noch im Ohr, die Sonne am Himmel, eine große Tasse Tee auf dem Tisch - ich sitze im Garten, schreibe am Bericht über das Konzert und habe das Gefühl, ich wäre in Urlaub. Wie praktisch! Das erspart mir kostspielige Besuche im Reisebüro. Was soll ich Koffer packen und in die Karibik fliegen, wenn ich schon wunschlos glücklich bin, wenn ich im Garten meine krakeligen Konzertnotizen entziffern und einen Bericht tippen kann.

Das Reisen übernehme ich nebenbei, wenn ich zu Lesungen fahre. Diesmal 300 km in den Westerwald, wo ich eine Giraffen- und eine Froschlesung habe. Bei schönstem Sommerwetter nehme ich abgelegene Strecken durch Feld und Wald und höre im Auto-CD-Player die neue Gregor Meyle CD. Während rechts und links von mir der Fingerhut lilafarben am Straßenrand leuchtet, die Sonne schräge Streifen durch den Wald malt und warmer Wind durch das geöffnete Seitenfenster streicht, denke ich: "Es gibt durchaus Schlechteres, als mit Gregor so durch die Gegend zu fahren."

Natürlich ist mir klar, dass Gregor Meyle nicht mit mir im Auto sitzt und nicht mal ahnt, dass er mein Begleiter ist, aber ich suche mir die musikalischen Mitfahrer für längere Fahrten jedes Mal sorgfältig aus und nehme nicht jeden mit. Er oder sie muss zu meiner Stimmung und zur Reise passen. In diesem Fall auch zum letzten Konzert, das noch nachklingt.

Im Garten werden die dicken Bohnen reif - eigene Ernte aus dem winzigen Gemüsegarten - und es ist immer ein schönes Gefühl, etwas zu ernten, was vorher beim Wachsen beobachtet und fleißig gegossen wurde. Jetzt sind es die schönsten und leckersten dicken Bohnen der ganzen Welt! Und da ich in meinem Minigarten gerade mal einen Meter Bohnenpflanzen habe, muss ich jetzt nicht Unmengen von Bohnen ernten und mühsam verarbeiten, sondern esse sie auf und weg sind sie.

Im Arbeitszimmer entdecke ich zufällig ein Bild, das ich vor etwa 15 Jahren gemalt habe. Das Thema "Frosch- Prinz" hat mich wohl damals schon fasziniert, stelle ich fest. Ich hatte das Bild völlig vergessen und erinnere mich erst wieder daran, als ich es plötzlich in der Hand halte.

Seltsamerweise hatte ich selber nie das Bedürfnis einen Frosch zu küssen oder einen Prinzen zu heiraten, aber die Geschichte scheint mich zu beschäftigen. Bemerkenswert ist, dass sie bei mir nie romantisch und glatt ist, sondern dass das Verwandeln und das Annehmen einer anderen Gestalt nichts am eigentlichen Charakter ändert. Frosch bleibt Frosch.