Blog 341 - 09.11.2014 - Berichte, Video und Bodo in Bochum

Dass ich öfter mal als Zuschauerin in Theatern unterwegs bin, merke ich an der Zeit, die ich danach Berichte tippend vor dem Rechner sitze. Würde ich nur tippen, ginge es schnell, aber ich muss ja auch überlegen, wie die Atmosphäre war, was mir gefiel und wie ich das formuliere. Und vor allem muss ich das Gekrakel in meinem Notizblock entziffern. Da stehen immer wieder Bemerkungen, die ich mit großer Begeisterung im Dunkeln notiert habe, aber auch mit größter Anstrengung im Hellen nicht mehr lesen kann. Zum Beispiel ein mit Ausrufezeichen versehenes: "frauit b!" aus dem letzten Lars-Reichow-Programm. Ich habe keine Ahnung, was ich mir damit sagen wollte. Manchmal überlege ich, ob ich so eine Bemerkung nicht einfach kommentarlos in den Bericht setzen sollte. Dann können sich die Leser selber ihre Gedanken machen, was das heißen soll.

Der Videomitschnitt von Cover me ist fertig geschnitten und bearbeitet. Zur allerletzten Feinkontrolle sehe ich die viereinhalb Stunden Konzert konzentriert durch. Nicht nur ein Mal, sondern, weil ich nicht auf alles gleichzeitig achten kann, in drei Durchgängen: Ton, Farbe und Synchronität. Das heißt drei Mal viereinhalb Stunden Video gucken, und da ich immer mal wieder stoppen und etwas leicht korrigieren muss, - hier ein wenig Gelb rein, dort die Moderation etwas lauter, da einen der vielen Filmstreifen um ein Bild nach vorne verschieben -, werden pro Durchgang gerne mal sechs oder sieben Arbeitsstunden daraus. Die Frage: "Was hast du heute gemacht?" ist mit: "Video geguckt" zwar korrekt, aber doch irgendwie missverständlich beantwortet. Kein Wunder, dass ich momentan nur wenig zum Puppen spielen komme und überhaupt nicht am neuen Kinderbuch arbeite.

In der nächsten Woche gibt es die Aktion "Ein Buch für die Stadt". In Köln und Umgebung wird das Buch "Schneckenmühle" von Jochen Schmidt eine Woche lang mit Lesungen und Diskussionen vorgestellt. In meiner Stadt wird es komplett vorgelesen, jeden Abend an einem anderen Ort von einem anderen Vorleser einige Kapitel weiter. Am Mittwoch lese ich Kapitel 11 bis 15. Vorlesen macht mir Spaß, in die kleine Buchhandlung passen nicht besonders viele Leute, so dass es eine überschaubare Veranstaltung sein wird, aber auch für die muss ich mich natürlich vorbereiten. Gelesen habe ich das Buch schon, meinen Lese-Teil sogar schon drei Mal, aber jetzt muss ich die fünf Kapitel übungsweise noch mehrfach laut lesen und dabei unterstreichen, was ich betonen möchte, wo ich beim Lesen aufpassen muss oder wo ich kleine Pausen haben will.

Aber bevor ich mit dem lauten Lesen richtig los lege, fahre ich zu Bodo nach Bochum. Normalerweise bedeutet dieser Satz, dass ich im Bochumer Figurentheater-Kolleg bei Bodo Schulte einen Bau- oder Spielkurs besuche. Eine Zeit, auf die ich mich immer sehr freue, weil ich in eine faszinierende Welt abtauche, viel lerne und Spaß habe. Diesmal heißt "Bodo und Bochum", dass ich Bodo Wartke im Bochumer RuhrCongress bei einem Konzert besuche. Auch sehr schön, aber etwas ganz anderes. Er hat außerdem das Capital Dance Orchestra dabei, das noch nie bei den Bau- und Spielkursen war. Spätestens an dieser Stelle hätte ich den Unterschied bemerkt. Bodo singt, das Orchester swingt, es gibt tolle Klänge - und bei mir wird die nächste Woche schon wieder mit dem Schreiben eines Berichtes beginnen. Hoffentlich finde ich im Notizblock nicht wieder Bemerkungen wie: "frauit b!"