Blog 358 - 08.03.2015 - Lange Fahrten, die Stimme hält und die Zugvögel kommen

Kaum wieder einigermaßen gesund, geht es los. Am Dienstag fahre ich 25 km nach Köln und zurück, am Mittwoch 150 km nach Trier und zurück und am Donnerstag 230 km Richtung Bielefeld und zurück. Hört sich nach wildem Bewegungsdrang an, hat aber Gründe. Zuerst bringe ich die fertigen Cover-me-DVDs zur AIDS-Hilfe in die Kölner Innenstadt, damit sie endlich verschickt werden können, dann fahre ich frisch gebundene Bachelorarbeiten nach Trier, damit sie abgegeben werden können und nehme anschließend den Sohn für die Ferien mit nach Hause, und am nächsten Tag habe ich vier Lesungen an einer Grundschule in Herford.

Der Kopf ist frei, aber die Stimme unerwartet schon wieder angeschlagen. Mit Hustenbonbons geht es, und erstaunlicherweise wird die Stimme im Verlauf der vier Lesungen nicht schlechter, was vermutlich auch daran liegt, dass die zu Beginn trockene und sehr warme Luft im Raum durch viel Lüften zunehmend kühler und feuchter wird. Es klappt, die Kinder sind interessiert und haben Spaß, den Lehrerinnen gefällt es auch, ich mache es sowieso gerne, aber mit ganz freier Stimme hemmungslos drauflos lesen, ist dann doch entspannter für mich. Am Ende bin ich sehr glücklich, dass die Stimme gut durchgehalten hat und hoffe, dass ich jetzt mal wieder ganz gesund werde.

Auf dem Rückweg von den Lesungen fahre ich von der Autobahn ab und mache einen kurzen Abstecher ins Sauerland, wo mein Puppenbau- und Puppenspiel-Lehrer sehr idyllisch wohnt. Er zeigt mir seine Werkstatt und den Garten und kocht einen leckeren Kaffee. Damit wird der Tag, den ich sowieso gut finde, auch noch zu einem schönen Ausflugstag. Um 4 Uhr 30 bei Vollmond im Dunkeln losfahren, - ich mag es, wenn es beim Fahren langsam hell wird und die Sonne aufgeht, - dann vier gut funktionierende Lesungen an einer netten Grundschule machen, - Frisur und Stimme halten -, bei der Rückfahrt gemütlich übers Land fahren und eine schöne, entspannte Kaffeepause haben. Ich komme munter und gut gelaunt zuhause an, werde schlagartig müde und falle ins Bett. Nach dem 14-Stunden-Tag schlafe ich 9 Stunden bis zum Weckerklingeln um 6 Uhr durch. So lange am Stück schlafe ich selten, aber ich bin auch noch nicht ganz gesund.

Im Garten bricht der Frühling aus. Zugvögel, von denen ich jahrzehntelang dachte, dass es Gänse sind, die aber anscheinend meistens Kraniche waren, kommen rufend zurück, und ich lasse alles fallen und gucke in den blauen Himmel, um sie anzusehen. Es berührt mich immer, wie sie, - was für eine Sorte es auch immer ist -, in langer Kolonne, laut kommunizierend vorbeiziehen.

Sie wirken unabhängig, so als würden sie gar nicht zu unserer Welt gehören, sondern immer nur darüber hinweg fliegen. Es sind die ersten in diesem Jahr, aber ab jetzt werden auch die anderen nach und nach zurück kommen. Der Winter ist vorbei.

Es ist sonnig und warm, ich greife zur Spitzhacke und bereite meinen kleinen Gemüsegarten auf die neue Saison vor. Die Katze guckt gemütlich von der Gartenbank aus zu, im Gehege gibt es ein neues Kaninchen, das wir aufgenommen haben und bei dem ich ein bisschen beobachte, wie es mit der Gruppe klappt, und ich ziehe Brennnesseln aus der Erde, wühle herum und fühle mich wohl. Der Frühling ist inzwischen meine liebste Jahreszeit.