Blog 351 - 18.01.2015 - Meine freie Woche und Friedemann Weise

Seit Wochen freue ich mich auf die Woche. Der Gatte ist mit den Wise Guys beim Kreativblock, die Söhne sind an ihren Unis - ich habe eine ganze Woche für mich. Kein Wecker, keine Termine, kein geregelter Tagesablauf. Seit längerem plane ich, in der Woche intensiv an meinen Handpuppen zu bauen. Kurz vorher wird mir klar, dass ich viel dringender an der neuen reihedrei-Homepage arbeiten sollte. Parallel dazu werde ich alle Kleiderschränke leeren, um mal wieder gründlich auszusortieren, was noch dringender nötig ist. Das klingt nach einem Plan.

Was passiert gerne mit Plänen? Sie werden durcheinander geworfen. Der Gatte fährt ab, aber ein Sohn bleibt noch zwei Tage länger. Das ist völlig OK und schön, mir gehen nur zwei der freien Tage verloren. Aber ich habe ja noch vier. Kaum ist er weg, fällt mir auf, dass ich zwei Nachmittage im Shop arbeite, da hatte ich vorher gar nicht dran gedacht. Ups, da bleiben von der Woche nur zwei komplett freie Tage übrig. Unerwartet tritt ein personeller Notfall im Shop ein und ich springe an einem der "freien" Tage für zwei weitere Stunden ein. Ein Tag bleibt übrig, da meldet sich der Gatte, dass er einen Tag früher kommt. Das macht jetzt aber auch nichts mehr aus, denn den Plan der "freien Woche" habe ich schon aufgegeben.

Immerhin räume ich in der Zeit die Schränke leer und setze viele Berichte auf die Homepage. Es macht sogar richtig Spaß, in den alten Konzertberichten zu lesen und einiges nachzuerleben, was vor mehr als zehn Jahren geschah. Netterweise ist der Kater oft dabei. Wenn er schnurrend vor dem Bildschirm liegt, macht es fast gar nichts, dass ich umständlich über ihn hinweg lesen muss. 

Weil ich ja sowieso nicht frei und ohne den Blick auf die Uhr lebe, hole ich mir kurzfristig einen weiteren Termin und besuche in Köln eine Vorstellung von Friedemann Weise. Ich mag viele seiner kleinen Videos mit den schrägen Ideen und bin gespannt auf sein Live-Programm. Das ist abgedreht, ungewöhnlich und sehr kurzweilig. Allerdings auch sehr schräg. Das wird nicht jedem gefallen. Aber ich mag seinen Humor und lache sehr über die Sachen, die oft selber zu Ende gedacht werden müssen. Zum Glück bin ich darin schnell, aber ich bin ja auch Meisterin der Gedankensprünge, was mir schon bei Rainald Grebe sehr zugute kommt. Und schon schreibe ich den ersten Bericht des Jahres 2015, den ich auf die neue, frisch bearbeitete Homepage setze.  

Am Wochenende packt der Gatte seine Sachen aus und ich meine ein. Bis jetzt habe ich fünf Bücher und drei Theaterstücke geschrieben, ab heute lerne ich in einem Seminar über Dramaturgie, wie man Bücher und Theaterstücke schreibt. Ist in der Reihenfolge natürlich etwas blöd. Idealerweise komme ich nach dem Seminar nach Hause und kann es noch besser. Wenn es dumm läuft, bin ich danach völlig frustriert und will nie wieder schreiben. Kann ich mir bei meinem Optimismus aber gar nicht vorstellen.

Die unbeschriebenen, aber vorbereiteten Neujahrskarten kommen mit, vielleicht komme ich zum Schreiben und kann dann meine neuen Dramaturgie-Kenntnisse gleich nutzen. Ich könnte ja hinter "Ein schönes Jahr 2015" einfach mal ein Fragezeichen setzen. Oder "Zwei schöne Neue Jahre" wünschen. Das bringt Spannung, das reizt zum Weiterlesen oder wirft zumindest die Frage auf: "Was ist jetzt schon wieder mit ihr los?" Und schon wird die Postkarte zum Erlebnis.

Wenn ich wieder zuhause bin, habe ich gleich was zu tun: Dann räume ich die Wäscheberge wieder sortiert in die Schränke. Da bin ich in meiner freien Woche gar nicht mehr zu gekommen.