Blog 322 - 29.06.2014 - Ein schwieriger Charakter und Cover me

Köln-Kissen-Produktion. Wenn es im Shop mal ein paar Minuten Zeit gibt, was selten genug vorkommt, schneide ich den Dom, die Hohenzollernbrücke und kleine Häuser aus, und bereite weitere Kissen vor. Nach dem Umranden der Skyline und dem Vernähen der Nähte werden sie gefüllt, verschlossen und mit einem Preisschild versehen. Idealerweise werden sie dann auch schnell verkauft. Die Reaktionen der Kunden, die in den Laden kommen, sind jedenfalls schon sehr positiv.

Mal sehen, wie es läuft, wenn das Schaufenster demnächst mit Kölnkissen dekoriert wird. Vermutlich kommen dann alle Kölner beim Laden vorbei, um eines der individuellen, handgefertigten Exemplare zu bekommen. Und wenn alle Kölner ein Kissen gekauft haben, also nach einer Produktion von schätzungsweise einer Million Kissen, könnte ich auf Berlin, Frankfurt und Hamburg ausweiten. München gibt es auch, und Dresden, Rostock, London, New York ...

Auch für meinen Löwen nehme ich mir Zeit. Er ist ein friedlicher, netter Typ, bleibt bleibt aber eigensinnig. Nähe ich ihm das linke Ohr an, steht das rechte ab. Korrigiere ich das rechte Ohr, sitzt das linke etwas höher - es bleibt ein schwieriger Charakter, bei dem alles mehrfach gearbeitet und so manche Naht wieder aufgetrennt werden muss. Auch die Arme hängen noch leicht verdreht, obwohl ich sie doch ganz korrekt angenäht habe. Ich befürchte schon das Schlimmste, wenn er mal seine Zahnimplantate bekommt. Vermutlich hängen die dann ständig schief oder fallen beim Sprechen raus - das würde zu ihm passen.

In dieser Woche schneide ich "Cover me 2013" fertig. Was heißt fertig? Der Hauptteil der Arbeit ist mit dem Schnitt geschafft, aber es wird noch etwas dauern, bis auch der Ton angepasst und alles ein weiteres Mal zur Farbkontrolle und dann noch zur Endkontrolle durchgesehen ist. Immerhin war das Konzert viereinhalb Stunden lang, konzentrierte Korrekturdurchgänge dauern da gerne zwei- bis dreimal so lang. Während ich zuhause Cover me auf dem Rechner habe, gibt es zwei Meldungen zu Dirk und Cover me. Im letzten Jahr bekamen Sonja Zietlow und Daniel Hartwich den Comedy-Preis für die Moderation des Dschungelcamps. Sehr unpassend und extrem unsensibel, weil Dirk, der den Preis durch seine Arbeit in den Jahren davor verdient hatte, zum ersten Mal nicht mehr dabei war. Bei Cover me sprühte Sonja Zietlow den Comedy-Preis auf der Bühne pink an und widmete ihn unter dem Applaus des Publikums ihrem Freund und Kollegen Dirk Bach. Es war das Schönste, was sie mit dem Preis machen konnte.#

Jetzt hat das pinkfarbene Stück seinen Platz auf Dirks Grab bekommen, und fast zeitgleich gibt die Kölner AIDS-Hilfe bekannt, dass sie keine Kapazitäten habe, Cover me weiter zu organisieren. Eine Entscheidung, die ich einerseits verstehe, weil dieses Riesenkonzert unglaublich viel Arbeit verlangt und nicht "nebenbei" zu machen ist. Andererseits wird damit ganz plötzlich Dirks großartige Benefizidee gestoppt, für die er jahrelang mit großem Einsatz aktiv war und durch die die AIDS-Hilfe viel Geld für den Aufbau und Unterhalt des Dirk-Bach-Hauses bekommen hat. Die vielen anderen Mitmacher, die seit Jahren ihre Zeit und Energie in die Organisation und die Proben gesteckt haben und die erfolgreiche Veranstaltung im Sinn von Dirk weiterführen wollen, fühlen sich durch das unerwartete Aussteigen natürlich vor den Kopf gestoßen.

Ich lese die Pressemitteilung der AIDS-Hilfe und schüttel den Kopf. Nach langen Erklärungen, dass die AIDS-Hilfe kein Konzertveranstalter ist und welche Projekte sie stattdessen machen wird, steht am Ende: "Wir freuen uns, wenn es gelingt einen neuen organisatorischen Rahmen für Cover me zu finden. Sehr gerne wollen wir in diesem Fall den Künstlerinnen und Künstlern gerade die Unterstützung des Dirk Bach Hauses ans Herz legen, das bis zu seiner Fertigstellung noch viel finanzielle Unterstützung benötigt." Heißt: Wir sind nicht mehr bereit Arbeit in Cover me zu stecken, aber wenn ihr das macht und am Ende Geld dabei herauskommt, nehmen wir das gerne wie in den Jahren zuvor. Noch ist Cover me nicht aufgegeben. Es gibt viele Mitmacher und Zuschauer, die es unbedingt weiterführen möchten, auch im Gedenken an Dirk. Vielleicht findet sich eine Lösung. Das wäre schon toll.