Blog 340 - 02.11.2014 - Vom Tennisball zum Kopf

Was für ein Glück, dass ich meine Handpuppenköpfe nicht aus Marmor hauen muss, denn abgesehen davon, dass ich die Puppen dann später nur mit extrem muskulösem Arm spielen könnte, würde die Herstellung auch deutlich länger dauern, ziemlich auf die Ohren gehen und sehr stauben. Bei mir klappert nur die Schere im leisen Rhythmus und die Schaumstoffschnipsel fliegen durch das Wohnzimmer, krabbeln heimlich unter die Schränke oder hängen sich an meine Hosenbeine, um sich später irgendwo in der Wohnung fallen zu lassen. Köpfe aus Schaumstoff zu schnippeln, macht mir gewaltig viel Spaß. Ich schneide mich gemütlich an Größen, Formen und Gesichtszüge heran, probiere aus und lasse mich von den Ergebnissen überraschen. Im ersten Baukurs bei Bodo Schulte haben wir alle aus einem viereckigen Stück Schaumstoff einen runden Tennisball schnippeln müssen. Das löste damals leichtes Stöhnen aus und die Frage, warum wir so zeitaufwändig Bälle schnitzen müssen, wenn wir doch eine Klappmaulpuppe bauen wollen. Aber schon damals wurde schnell klar, dass, wer runde Bälle schnitzen kann, auch runde Köpfe schafft. Was bin ich froh, dass ich das Tennisball-Schnitzen gelernt habe! Da denkt man zuerst, es sei ein weiterer Baustein im Bereich "sinnloses Wissen" und dann stellt es sich als "Grundlagen-Können" heraus.

Außerdem übe ich jeden Tag kurz - aber immerhin - mit den unfertigen Handpuppen in ihren schnell zusammengenähten, schlecht sitzenden Probekleidern an der improvisierten Spielleiste. Ich will nicht warten, bis die Ausrüstung perfekt ist, denn das ist eine der blödesten Ausreden, die man haben kann. Man kann immer schon mit irgendwas anfangen. Beim Üben fällt mir auf, dass ich für manche schöne Spiel-Idee entweder einen weiteren Mitspieler oder zwei bis drei Krakenarme brauche. Ich schaffe es mit meinen normalen Armgelenken nicht, eine der Figuren in abwartender Position zu halten und mit der anderen eine 360-Grad-Wendung zu machen und lässig abzugehen. Da weder weitere Mitspieler, noch weitere Arme zur Verfügung stehen, werde ich den klügsten Weg wählen und die Szenen anders spielen. Geht auch.

An einem Abend gehe ich in die Kölner Comedia, in der Mark Britton die Premiere des neuen Programms "Forever Jungs" hat. Es geht um Männer, die nicht altern wollen, auch wenn die Bandscheiben das anders sehen. Ich lache viel und habe Spaß, und als ich später beim Rausgehen auch noch Lars Reichow treffe, der vorher zeitgleich im anderen Saal der Comedia aufgetreten ist, freue ich mich sehr. In seinem Programm "Freiheit!" war ich erst in der letzten Woche und fand es toll. Aber ihn zu treffen, wenn er nicht am Flügel sitzt und nicht singt, ist auch sehr schön.

Zum Abschluss der Woche gibt es ein privates Krimi-Dinner, bei dem ich diesmal eine Nonne bin. Seltsamerweise eine vom Vampir gebissene Nonne, von der ich nicht mal ahnte, dass es so was gibt. Haben Vampire nicht Angst vor Nonnen, die ein Kreuz tragen? Auf der Hinfahrt zum Dinner, bei der ich korrekt als Nonne gekleidet im Auto fahre, überlege ich, ob mich Polizisten bei einer Verkehrskontrolle mit "Schwester" anreden würden. Und ob ich sie aufklären oder einfach in der Rolle bleiben sollte. Natürlich ohne die Vampir-Erklärung, denn die würde es dann doch unglaubwürdig machen. Aber wie glaubhaft bin ich überhaupt mit dem Schriftzug "gurkentee" auf dem Auto?