Blog 332 - 07.09.2014 - Hörspiel-Premiere

Premierenwoche. Auch wenn schon viel vorbereitet ist, heißt das, dass es plötzlich noch mehr zu tun gibt. Die Tische werden auf dem Podest aufgestellt, Fotos eingerahmt, Leselampen und Scheinwerfer angebracht und verkabelt, Kohlkopf, Messer und Perücke besorgt, Stühle gerückt und immer wieder auf die Kartenreservierung geguckt. Die Premiere ist zuerst ausverkauft, was einerseits blöd ist, denn die Premiere ist meistens nicht die beste Vorstellung, dann aber doch schlau, denn danach gibt es immer eine kleine Feierrunde mit Buffet für alle.

Die Geräusche für das Abspielen vom Band werden auf den letzten Stand gebracht und das Geräusch des Öffnens und Schließens der Tür, das mich schon wochenlang in der Umsetzung beschäftigt, rausgeworfen, weil ich merke, dass es mehr stört als unterstützt. Na prima. Hätte mir das nicht vor den Sommerferien schon auffallen können?

Und es gibt in dieser Woche drei Proben. Die sind nicht mühsam und eintönig, sondern machen sogar Spaß. Bei unserer Live-Lesung wird nicht nur abgelesen, sondern mimisch und mit Körpereinsatz gespielt. Ein Hörspiel zum Zusehen. (Die Sprecherin in der Mitte des Probenfotos hängt so schlapp über dem Tisch, weil sie rollengemäß nach einem Sturz fast bewusstlos ist und das in der Körperhaltung und Sprache perfekt umsetzt.)

Üblicherweise sind die letzten Proben bei mir Anlass zur Verzweiflung, weil ich mich dann frage, wie ich bloß darauf gekommen bin, so ein lahmes und unfertiges Stück auf die Bühne bringen zu wollen. Diesmal ist es etwas anders. Natürlich muss gefeilt und an Details gearbeitet werden, es gibt bis zum Premierentag noch kleine Änderungen und ich bin mir plötzlich auch nicht mehr so ganz sicher, ob das Publikum das alles wirklich interessant finden wird, aber im Grunde weiß ich, dass es ein gutes, schnelles Stück ist und dass die Mitsprecher wissen, worauf es ankommt. Von daher bringt mich mein "Kurz-vor-der-Premiere-Verzweiflungs-Anflug" nicht mal ansatzweise aus der Spur.

Und dann ist die Premiere da. Der kleine Theaterraum ist voll mit Publikum, die Luft wegen des warmen Wetters viel zu heiß, und wir sitzen zu zehnt eng nebeneinander auf dem Podest und lesen und spielen unsere vertrauten Rollen. Die leichte Premieren-Aufregung, die den ein oder anderen kurz vor dem Auftritt erfasst hat, gibt sich schnell, was auch damit zu tun hat, dass wir eine entspannte, lockere Gruppe sind, von denen keiner Stress macht oder sich irgendwie herausheben muss. Teilweise kennen wir uns nur von den wenigen Proben und manchmal ist der Rollenname vertrauter als der richtige, aber es ist eine sehr freundliche und warmherzige Atmosphäre. Das macht auch die Premiere leicht, denn alle wissen, wenn sie einen ganz blöden Fehler machen sollten, gäbe es herzliches Gelächter von den Kollegen und alles wäre gut.

Wir kommen gut durch, und die Publikumskommentare und -gespräche nach der Premiere haben Stichworte wie "spannend", "toll mit eurer Mimik", "sehr kurzweilig" , "ich habe mir alles ganz genau bildlich vorstellen können" und "ich bin nicht einmal weggenickt, obwohl es eine Lesung war!" Auch die ungewöhnlich vielen Morde ernten große Zustimmung, so dass die Premiere als gelungen bezeichnet werden kann.

Von der Premiere, von der Feier danach und vom ersten Zeitungsbericht, der nach einer der letzten Proben geschrieben wurde und am Premierentag groß und bunt erschien, zeige ich jetzt nichts. Das liegt nicht an Geheimhaltungsklauseln, sondern weil ich sowohl den Fotoapparat als auch den Zeitungsbericht nach der Feier im Theaterraum vergessen habe. Bilder gibt es also erst im nächsten Blogbericht.

Bevor ich heute aber wieder zur nächsten Vorstellung im Theater eintreffe, bin ich allerdings noch als Autorin beim Familienfest von Wünsch-dir-was in Köln eingeladen. Wünsch-dir-was ist ein Verein, der schwer kranken Kindern Wünsche erfüllt, so dass sie Robbie Williams treffen, oder in einem Polizeiauto fahren, oder - in diesem Fall - von mir den Frosch vorgelesen bekommen. Das hat sich jetzt zwar kein Kind klar und deutlich gewünscht, aber ich denke, auf dem Fest werden schon einige zuhören wollen und haben Spaß. Gleich geht es also zur Frosch-Lesung mit Bildern an der Wand, danach zur Krimi-Lesung mit Bildern im Kopf. Das ist ein schönes, volles Wochenende.