Blog 333 - 14.09.2014 - Intensives Hören

Das zweite Hörspielwochenende ist gerade dran und das Stück kommt sehr gut an. Die Zuschauer finden es spannend und sehr kurzweilig, und sie vermissen die Theater-Inszenierung überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Viele sind erstaunt, was für intensive Bilder durch das Hören in ihrem eigenen Kopf entstehen, und mehrfach sagen Zuschauer danach, dass sie ein Theaterstück vermutlich etwas oberflächlicher konsumiert und nicht so intensiv erlebt hätten. Die Zustimmung ist jedenfalls sehr groß und es sind schöne Reaktionen, über die ich mich sehr freue. Außerdem spielen wir natürlich sitzend trotzdem ein bisschen mit, sprechen mit passender Mimik und haben kleine Utensilien wie Pistolen, Messer, Giftwein und Leichen, so dass es auch etwas zum Sehen gibt. Auf jeden Fall ist das fast zweistündige Stück nicht eintönig und einschläfernd geworden, was bei mir an erster Stelle der Ziele stand.

Auch in der Presse wird schön berichtet, und dass die Vorstellungen nicht alle vorher schon komplett ausverkauft sind, kann nur an der mangelnden Risikobereitschaft der Zuschauer liegen. Ein Hörspiel? Und die lesen nur? Es gab sogar Vermutungen, dass wir Sprecher während der Vorstellung hinter einer Wand sitzen, damit wir nur zu hören, aber nicht zu sehen sind. Eine Idee, die ich übrigens erstaunlich spannend finde. Zum Glück kommen immer auch spontan Leute an die Abendkasse und fragen zögernd: "Habt ihr noch eine Karte für mich?", so dass der Raum dann doch voll ist. Heute gibt es noch eine Vorstellung (4 Restkarten) und am nächsten Wochenende noch zwei (jeweils etwa 10 Restkarten). Danach ist Schluss mit dem Hörspiel und wer es bis dahin nicht erlebt hat, hat es verpasst. Es gibt brutale Wahrheiten.

Da es jetzt in der Woche keine Proben und keine großen Vorbereitungen mehr gibt, habe ich deutlich mehr Zeit. Die nutze ich, um endlich mal wieder aufzuräumen und die aufgetürmten Stapel und Wäscheberge zu verringern. In jedem ordentlichen Künstlerhaushalt bleibt vor Buchveröffentlichungen und Theaterpremieren fast alles liegen, weil dann ganz andere Sachen wichtig sind. Aber wenn ich ständig in Stapeln und unter anderen Sachen nach etwas suche und dabei das Chaos noch vergrößere, weil die Stapel vermischt werden, und außerdem panisch zusammenzucke, wenn es an der Haustür klingelt, finde ich es schon nervig. Immerhin hat ein durcheinander geworfener und grob gestapelter Haushalt den Vorteil, dass sich dann beim Aufräumen jeder Griff lohnt und sofort sehr deutliche Vorher- Nachher-Ergebnisse zu sehen sind. Und so freue ich mich über jede freie Ecke und bin selber erstaunt, wie schnell die Stapel verschwinden. Jetzt gucken auch die Klappmaulpuppen wieder lächelnd und fordernd um die Ecke, und in den Fingern zuckt es, weil ich gerne mal wieder ein Kinderbuch machen würde. Oder ein Theaterstück schreiben. Aber heute um 18 Uhr heißt es erstmal wieder: Erbschaft in Aussicht!

Mit: Ansgar, Gudrun, Ferenc, Laura, Nora, Mirco, Kerstin, Volker, Martin und Anette.