Blog 334 - 21.09.2014 - Die letzten Leichen und John Bellingham

Das letzte Hörspiel-Wochenende ist da. Gestern, am Samstag, gab es noch eine schöne, komplett volle Vorstellung, heute Abend werden die Opfer zum letzten Mal gemeuchelt zusammenbrechen und die Zuschauer zum letzten Mal bei den schrillen Schreien zusammenzucken. Nach dem Schlussapplaus werden wir das kriminale Projekt mit einem gemeinsamen Essen - hoffentlich ohne weitere Opfer - beenden. Es ist schon schade, dass die Zeit vorbei ist, aber es bleibt ein schönes Gefühl über ein gutes Stück und die entspannte, sehr positive Zeit mit äußerst netten und sympathischen Leuten. Und ganz sicher treffen einige Mitspieler bei den nächsten Theaterprojekten wieder aufeinander, die Planungen für eventuell machbare Stücke laufen schon. Das Hörspiel hat außerdem so viel Spaß gemacht, dass es bestimmt nicht mein letztes war.

Schön ist jetzt aber auch, dass ich wieder die große Freiheit habe. Die festen Termine sind vorbei, ich habe Zeit und kann wählen, was ich machen möchte. Ab morgen geht es mit Schwung an den Feinschliff der Cover-me-DVD, die endlich fertig werden soll. Und ohne dass ich es will, kreisen meine Gedanken seit Tagen um das nächste Kinderbuch. Das gurkentee-Team möchte mal wieder etwas zu tun haben. Aber welche Geschichte möchte ich schreiben? Die mit dem Faultier, die schon fertig skizziert ist? Oder die mit dem Hund, von der ich den lustigen Anfang habe und noch nicht weiß, ob es eine kurze oder eine lange Geschichte wird?

Plötzlich fällt mir ein, dass es noch zwei Theaterstücke von mir gibt, bei denen es schade wäre, wenn sie in Vergessenheit gerieten. Kurz entschlossen nehme ich mir das Textbuch des Piratenstücks von 2012, setze mich in den Garten und gehe den Anfang durch. Die Geschichte handelt vom Piratenkapitän John Bellingham, der möglichst schnell eine Mannschaft braucht und nehmen muss, was sich gerade anbietet. Sie hat genau die Art von Skurrilität und Humor, die ich mag, was kein Wunder ist, denn ich habe sie mir ja ausgedacht. Wär ganz schön blöd, wenn es dann nicht nach meinem Geschmack wäre.

Wenn ich das Theaterstück in aller Ruhe zur Buchversion umarbeite, dabei kürze und vielleicht sogar ein oder zwei Personen rauswerfe, die nur für die Theaterversion wichtig waren, könnte es rund und flüssig zu lesen sein. Dann noch Illustrationen dazu und ein Buch wäre fertig, das ganz typisch für mich und meinen Humor ist. Außerdem würde die Geschichte nicht weiterhin nur eine Bühnen-Erinnerung bleiben. Wenn ich es danach noch einem Theaterverlag anbieten sollte - was ich nach einer Überarbeitung ja gerne mal machen möchte - dürfte die Buchversion nicht hinderlich sein. Falls doch, auch egal, denn dann wäre mir ein eigenes Buch auf jeden Fall lieber.

Probeweise schreibe ich bei einer großen Tasse Tee den ersten Theater-Akt zur Buchfassung um und stecke den Piratenkapitän dazu gleich mal in einen Schlafanzug. Die Geschichte beginnt am frühen Morgen und es ist doch nett, wenn sich ein berüchtigter Pirat, der gerade aus dem Bett geworfen wird, auf diese Weise vorstellt. Wieso hatte ich die Idee mit dem Schlafanzug eigentlich nicht schon bei der Theaterfassung?

Mal sehen, was ich mit John Bellingham und seiner Fahrt zur Goldinsel machen werde. Momentan finde ich die Kinderbuch-Idee sehr vielversprechend und reizvoll. Und meistens ist es bei mir ja so: Wenn ich glaube, ich überlege noch, habe ich mich schon entschieden und weiß es nur noch nicht.