Blog 335 - 28.09.2014 - Durchwischen und Luft holen

Die letzte Vorstellung des Hörspiels ist gespielt und - wie immer bei Theaterprojekten - läuft am Ende alles so eingespielt und locker, dass wir jetzt mit viel Spaß auf Tour gehen könnten. Stattdessen gehen wir gemeinsam essen. Auch da zeigt sich, dass die Gruppe sehr harmonisch ist und wir - obwohl wir uns zum großen Teil vorher überhaupt nicht kannten und inzwischen immer noch nicht sicher alle Real-Namen wissen - viel und laut miteinander lachen können. Was für ein schönes Projekt mit gut gelaunten, engagierten Mitmachern. Es bleibt ein sehr zufriedenes Gefühl über diese Produktion zurück. Am nächsten Tag gehe ich in das kleine Theater, sammel die Requisiten ein, klappe die Tische zusammen, wische durch - und vom Hörspiel ist nichts mehr zu sehen. Und dabei ist es doch ein Hörspiel gewesen, bei dem besonders viel zu sehen war.

Für das neue Kinderbuch, das ich aus meinem Goldinsel- Theaterstück machen möchte, schreibe ich den ersten Akt probeweise um. Das ist deutlich mehr Arbeit und kreativer Einsatz als ich vorher denke.
"Warum?"
"Weil doch alles nur aus Dialogen besteht."
"Ah, verstehe. Dann musst du das Stück ja fast neu schreiben, damit aus dem Theaterstück eine Erzählung wird."
"Genau."

Es ist auf jeden Fall nicht einfach, aus einem Dialog-Text einen flüssigen Erzähltext zu machen. Den Faktor "Ich spare Zeit, weil es das Stück schon gibt", kann ich sofort streichen. Eher im Gegenteil. Vermutlich werde ich Akt für Akt durchlesen und dann frei nacherzählen müssen. Allerdings möchte ich viele Sätze, die mir im Dialog gefallen, dann doch noch irgendwie unterbringen. Ein völlig neues Stück, bei dem ich mir etwas ausdenke und die Phantasie frei fließen lasse, könnte schneller gehen. Nach einer gründlichen Überlegungsphase von etwa vier Minuten entscheide ich mich trotzdem eindeutig und ohne jede Gegenstimme für die Goldinsel. Ich bin schon mit so einer großen Begeisterung dabei, dass mich das Umarbeiten nicht abschrecken kann. Also Ahoi! und auf zur Goldinsel!

Allerdings startet die Fahrt zur Goldinsel ganz gemütlich und entspannt. Ich habe nach dem Hörspiel wieder frei, stecke in keinen weiteren Verpflichtungen  und genieße die Zeit, ohne sie mir sofort durch streng geplante Arbeitszeiten einzuteilen. Das Bücherregal sollte mal wieder geordnet werden, in meinem Arbeitszimmer haben sich viele Theaterrequisiten der letzten Stücke angesammelt und können aussortiert werden und den Arbeitstisch möchte ich mal wieder komplett frei räumen, damit ich dort demnächst an den Klappmaulpuppen arbeiten kann. Ich streife durch den Garten, trinke Tee, räume vor mich hin, vertiefe mich in den Goldinsel-Text, mache erste Skizzen ... Hach, ich liebe diese Zeit unmittelbar nach dem Abschluss arbeitsintensiver Projekte, in der ich die plötzliche Ruhe extrem genieße und mich eine Weile zurückziehe. Zu tun habe ich auch da immer etwas, aber jetzt mal wieder Luft zu holen und in erster Linie meine ganz eigenen Sachen zu machen, ist schon schön.