Blog 213 - 27.05-2012 - Theaterfestival und Avenue Q.

Das letzte Wochenende war so turbulent und schön, dass es lange nachwirkt. Da macht es gar nichts, dass Küche und Wohnzimmer tagelang vollstehen mit Theatersachen, der Musikanlage, übrig gebliebenen Schüsseln vom Buffet, Lichterketten ... ich räume nach und nach auf und bin gut gelaunt. Was heißt gut gelaunt? Ich lächel vor mich hin und hab Sonne im Herzen.

Die Aufführung von "Ein Drache für den König" beim Theaterfestival am Sonntag klappt sehr gut und macht uns und dem Publikum viel Spaß. Wir sagen uns vorher: "Auch wenn wir keinen Preis bekommen, wir spielen so, dass die Leute hinterher sagen: Warum haben die eigentlich keinen Preis bekommen?" und das ziehen wir mit Schwung und Spielfreude durch. Allerdings bin nicht nur ich erstaunt, als bei der Abschlussfeier die Preise an professionelle Schauspieler und professionelle Bühnen gehen. Dass die ebenfalls im Programm auftretenden Profis nicht außer Konkurrenz spielen, habe ich bis dahin gar nicht gewusst.

Eine Preisträgerin spricht diese Schräglage deutlich an und sagt, dass sie sich nicht richtig über den Preis freuen kann, weil die Profis in diesem Bereich ganz andere Voraussetzungen als die Amateurbühnen haben. Ein direkter Vergleich sei nicht fair. Sie bekommt großen Applaus vom Publikum. Die Jury geht komplett über diesen kritischen Einwand hinweg, bittet lächelnd zum Gruppenfoto und tut so, als wäre alles in Ordnung. Das ist dann schon wieder so schräg, dass es glatt eine Satire sein könnte. Großes Theater.

Gerüchteweise lagen wir übrigens in der Wertung weit vorne, sozusagen knapp hinter den Profis. Gewinnen war nicht wichtig, wichtig war, gut zu spielen, aber ich hätte lieber bessere Amateurbühnen vor uns gesehen als Profis, für die das Theatermachen der Beruf ist. Na, auf jeden Fall haben wir eine tolle Vorstellung hingelegt und das Festival ganz sicher bereichert. Hört sich etwas eingebildet an, sehe ich aber ganz selbstbewusst so.

Zuhause wird mir klar, dass der Drache nun endgültig abgespielt ist. Ein komisches Gefühl. Und was mache ich jetzt mit dem Thron, den goldenen Stühlen, den Bildern, dem goldenen Teewagen, den künstlichen Blumen, der goldenen Kaffeekanne? Vielleicht eine Lagerhalle mieten? Ehe ich das überstürzt machen kann - ich hab ja gar nicht genug Platz im Garten für eine Halle, außerdem ist das Hanglage und da würde immer alles umkippen - geht es schon weiter. Gleich am nächsten Tag beginnen die Proben für das Piratenstück. Die große Theater-Leere, die auf mich zueilen will, stoppt verwirrt und dreht wieder um. Vor Ende des Jahres muss sie gar nicht wieder auftauchen.

Die gurkentee-Bühnenbildnerin greift zu Papier, Schere und Farbe und baut nach den Ideen der Piratenstück-Autorin kleine Bühnenmodelle. Es wird zwei Bühnenbilder geben und wir müssen überlegen, wie die gebaut und befestigt werden, wo es Durchgänge geben wird und wie sich alles schnell umbauen lässt.Modellbühnenbilder sind recht praktisch. Für die Regiearbeit ist es hilfreich zu wissen, wo überhaupt freier Platz auf der Bühne ist und wo was stehen wird. Die Schauspieler können sich alles gut vorstellen, und ich habe einfach nur Spaß am Gestalten.

Um mich herum stehen die noch nicht weggeräumten Reste des Wochenendes, und ich habe mir einen Teil des vollgestellten Küchentisches freigeschoben und bastel in aller Ruhe Bühnenbilder. Typisch. Wie hieß es noch kürzlich in einem Liedtext, speziell für mich: "Warum hast du so viel Zeit? Weil der Haushalt liegen bleibt!" Besucher meiner Feier werden sich grinsend erinnern.

Am Samstag geht es mit insgesamt sieben Leuten, die alle beim Drachen-Stück aktiv waren, nach Mannheim zum Musical "Avenue Q.". Da spielen Schauspieler zum Teil mit Handpuppen und es ist faszinierend zu erleben, wie sich der aktiv spielende Mensch und die mimikfreie Puppe zu einer Person verbinden. Ich gehe etwas vorsichtig in die deutsche Version, denn ich habe das Stück zweimal in London gesehen und befürchte, dass es in der deutschen Textfassung etwas holperig wird.

Aber nein, die Übersetzungen sind in Ordnung, die Musik ist klasse, die Schauspieler agieren schnell und sehr gut mit den Puppen, und das Zusehen macht großen Spaß. Der sehr freizügige Originaltext wurde erstaunlich freizügig ins Deutsche übertragen, so dass Eltern, die ihre Kinder ins vermeintliche "Puppentheater" mitnehmen, wohl einige unangenehme Momente neben ihren Sprösslingen haben. Nur die Lautstärke und Tonabmischung müssten besser sein, was aber vielleicht am Mannheimer Opernhaus liegt. Dass der eigentlich coole amerikanische Hausmeister in der deutschen Version Daniel Küblböck darstellen soll, ist nervig. Das wäre nur cool, wenn er ihn selber spielen würde.

Insgesamt aber ein sehr lohnenswerter, schöner Abend. Ich hätte den Drachen mitnehmen sollen, dem hätte es bestimmt auch sehr gefallen. Auf der Rückfahrt halten wir zum Wachbleiben Vorträge, bei denen abwechselnd jeder ein Wort hinzufügt. Ziel ist es, möglichst flüssig zu reden, egal in welche Richtung es geht. Es stellt sich heraus, dass man nicht Star Trek gucken muss, um über Astrophysik dozieren zu können. Und weiterer Schwachsinn.